Aus dem Amerikanischen von Peter Hammans. Frisch verheiratet, begeben sich die schwangere Jacy und ihr Mann Jed auf ihren ersten gemeinsamen Roadtrip, um Dr. Ash, Jeds Vater, auf Michigans entlegener Upper Peninsula inmitten der urtümlichen Wälder zu besuchen. Jacy fühlt sich von dem warmherzigen und gastfreundlichen Dr. Ash umschwärmt, weniger jedoch von seiner Hausverwalterin, der rätselhaften Mrs. Brandt. Doch ihr Aufenthalt in Eden nimmt eine plötzliche Wendung, als bei Jacy unerwartet Blutungen einsetzen. Plötzlich dringen auf unheimliche Weise Gerüchte über Jeds längst verstorbene Mutter und die komplizierte Familiengeschichte in die Gegenwart vor, und Jacy fühlt sich in dem geräumigen Blockhaus mehr und mehr gefangen. Die dichten Wälder rund um das Anwesen sind voller Gefahren, aber lauern die größeren Gefahren womöglich im Inneren?
Als ein abgründiges, fesselndes Provinzdrama liest Rezensent Peter Henning Megan Abbott Roman, in dem die Lehrerin Jacy mit ihrem Mann Jed dessen Vater besucht, der in Michigan im waldigen Nirgendwo lebt. Zunächst gerät der Besuch harmonisch, erfahren wir, als bei der schwangeren Jacy jedoch Blutungen auftreten, wendet sich das Blatt: Ehemann und Vater kontrollieren die Behandlung der Frau, ohne auf ihre Wünsche Rücksicht zu nehmen. Auch das Schicksal der Mutter Neds spielt eine Rolle in diesem Roman, der Henning toxische Männlichkeit mit klassischen Thrillermotiven verbindet. An Filme Alfred Hitchcocks und Bücher Patricia Highsmiths fühlt sich der Rezensent bei der Lektüre, deren Geschichten ebenfalls auch ohne explizite Gewaltdarstellung Spannung und Grauen erzeugten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.02.2025
Schwangeren Menschen ist "Hüte dich vor der Frau" vielleicht nicht unbedingt zu empfehlen, warnt Rezensent Tobias Gohlis. Allen anderen Thriller-Fans dagegen kann er diesen Roman nur wärmstens ans Herz legen. Denn Megan Abbott beherrsche die Kunst des Thrills perfekt. Mit Anleihen aus Hitchcocks "Rebecca" und Polanskis "Rosemarys Baby" erzählt sie die packende Geschichte einer jungen, schwangeren Frau, die, so Gohlis, immer stärker unter die Kontrolle zweier Männer gerät: ihres Ehemanns und dessen Vater. Was zunächst für den Kritiker noch wie Fürsorge aussieht und aussehen soll, entwickelt sich schon bald zum toxisch männlichen Kontrollwahn, entsprechend verwandeln sich die Sorgen der werdenden Mutter, die Selbstzweifel und Ahnungen bald schon zu handfester Not und Panik. So dreht Abbott die "Horrorschraube" langsam und geschickt weiter bis zum überraschenden Ende, so der nach allen Regeln der Kunst verstörte Rezensent.
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