J.G. Ballard

Super-Cannes

Roman
Cover: Super-Cannes
Diaphanes Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783035807486
Gebunden, 480 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helma Schleif. Oberhalb von Cannes hat sich eine globale Wirtschaftselite angesiedelt, die von Sicherheitsdiensten geschützt und von einer Heerschar an Privatärzten und Psychiatern umhegt wird. Weil seine Frau Jane dort eine Stelle als Kinderärztin annimmt, verschlägt es auch den Journalisten Paul an diesen Ort, der ihm ein Paradies zu sein verspricht. Doch schnell wird klar, dass unter der blendend-gläsernen Oberfläche einiges faul ist. Warum etwa leiden die Geschäftsleute unter latentem Stress und permanenter Schlaflosigkeit? Warum tötete Janes Vorgänger, der beliebte David Greenwood unvermittelt Freunde und Kollegen, bevor er sich selbst erschoss? Paul entdeckt eine dunkle Unterwelt, in der der leitende Psychiater Wilder Penrose seinen Patienten äußerst ungewöhnliche Therapieangebote macht, denn "keine Droge der Welt ist so stark wie die kranke Psyche selbst".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.05.2025

Auch nach 25 Jahren ist dieser Roman noch hochaktuell, hält Rezensent Maximilian Mengeringhaus zu J.G. Ballards nun auf Deutsch erscheinendem Buch fest: Voller popkultureller und auch wissenschaftlicher Verweise zwischen Burroughs und Freud geht es um eine Gated Community, also eine umzäunte Luxuswohnanlage, in Südfrankreich, in die der Erzähler Paul seine Frau Jane bringt, die dort eine Stelle an einer Privatklinik angenommen hat. Dort trifft sie auf den seltsamen Psychiater Penrose, bei dem sich zunehmend zeigt, dass dieser selbst psychisch nicht ganz gesund ist. Ihr Vorgänger Dr. Greenwood hat bei einem Amoklauf mehrere Menschen und dann sich selbst umgebracht. Paul will wissen, was hinter diesem rätselhaften Gewaltexzess steckt und stürzt sich in die Recherche, die Mengeringhaus bei der Lektüre nach und nach gesellschaftliche und menschliche Abgründe offenbart, die sich bis zum Zerreißen zuspitzen. Für ihn handelt es sich hierbei um einen grandiosen, hochspannenden, aber auch gewaltvollen Roman, eine "soghaften Genremelange", die voller Referenzen und präzise sezierenden Passagen steckt und eine große Spannung erzeugt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.03.2025

Durchaus gern lässt sich Florian Kaindl von J.G. Ballards 25 Jahre altem, nun endlich auch auf Deutsch vorliegenden Roman in die Welt der Superreichen entführen, die hier nahe Cannes leben, in einer Art Businesspark, in die es den ehemaligen Piloten Paul Sinclair verschlägt, nachdem seine Frau Jane dort einen neuen Job angenommen hat. Paul driftet selbst durch die von Gewalt und moralischer Enthemmung geprägte Reichenwelt, lesen wir, manchmal erscheinen seine Abenteuer im Buch etwas ziellos, bald gerät er unter die Fittiche eines Psychiaters namens Wilder Penrose. Erkennbar bleibt stets Ballards Interesse an den dunklen Seiten des Menschlichen, meint Kaindl, was sich auch in einer Verbindung von Begehren und Schmerz ausdrücke, etwa wenn eine Verletzung der Hauptfigur thematisiert wird, die Auswirkungen auf Pauls Sexualleben hat. Für den Kritiker zeichnet der Roman das finstere Bild einer Gesellschaft zeichnet, in der jeder nur noch seinen Impulsen folgt und keinerlei Gefühl für Gemeinschaftlichkeit mehr existiert. Ganz so schlimm ist es um die echte Welt vielleicht doch noch nicht bestellt, hofft der Rezensent.

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