Der Gott des Waldes
Roman

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406829772
Gebunden, 590 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Cornelius Hartz. Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Jungen, der seit 14 Jahren vermisst wird. Kann das Zufall sein? Was wissen die anderen Kinder im Camp über Barbaras Verschwinden, und was verheimlichen die Angestellten, die im Schatten der Van Laars ihr Dasein fristen? Was hat der aus dem Gefängnis entflohene "Schlitzer" mit all dem zu tun und welche Geheimnisse hütet die Familie selbst?
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.06.2025
Einen brillanten Krimi nicht nur für Frauen hat Liz Moore geschrieben, jubelt Rezensentin Sylvia Staude: Die komplexe Handlung dreht sich unter anderem um Judy Luptack, eine Ermittlerin, die in den 1970ern in einem Sommercamp Nachforschungen über das Verschwinden zweier Kinder anstellt. Alices Sohn Bear und ihre Tochter Barbara verschwinden beide spurlos in einem Abstand von vierzehn Jahren. Wir befinden uns in einer Zeit, erläutert Staude, in der Frauen in Sachen Gleichberechtigung noch nicht viel los ist, manche, wie etwa der Campbetreiber, weigern sich sogar mit den Ermittlerinnen zu reden. Staude lobt Moores realistischen Blick auf die Gesellschaft, der einer spannenden Krimi-Handlung keinen Abbruch tut, die dazu noch mit recht wenig Mord und Totschlag auskommt. Deutlich weiblich dominiert ist dieses Buch, meint Staude, die die Lektüre freilich abschließend beiden Geschlechtern empfiehlt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 05.04.2025
Kritikerin Katharina Granzin taucht mit Liz Moores vielschichtigem und spannenden Roman ins "Camp Emerson" ein, wo die betuchten Familien der Neuenglandstaaten Urlaub machen. Es sind die 1970er Jahre, die 13-jährige Tracy trifft mit Barbara eine neue Freundin im Ferienlager, die nach einem geheimen Treffen mit ihrem Freund verschwindet, verrät Granzin. Die vier verschiedenen Perspektiven von Tracy, der Ferienbetreuerin Louise, Alice, Barbaras Mutter, die bereits ein Kind verloren habe, und der ermittelnden Polizistin Judy machen das "Knirschen im Sozialgefüge" zwischen Feminismus, Rassismus und Klassenunterschieden deutlich machen, das zu dieser Zeit geherrscht hat, so die Kritikerin. Spannend ist das Buch für die Rezensentin nicht nur wegen der Frage nach der Verschwundenen, sondern vor allem, weil die vielen Erzählstränge in kluger Verwebung zeigen, wie ein solcher Fall die bisherigen (gesellschaftlichen) Verhältnisse auf den Kopf zu stellen vermag.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 22.03.2025
Rezensent Wieland Freund sieht schon die Netflix-Adaption von Liz Moores Roman vor sich. Die "klare, zügige Prosa" und die schnellen Schnitte bezeugen eindeutig den Einfluss von Film und Serie, findet er. Wahnsinnig originell ist die Story vielleicht nicht, so Freund, aber "Suspense" habe sie schon: die Handlung dreht sich um das in den Adirondack Mountains angesiedelte Rittergeschlecht Van Laar, dessen jüngster Sprössling in den sechziger Jahren auf einem Ausflug des ansässigen Jugendcamps im Wald verschwunden ist. Reizvoll findet der Rezensent, dass Moore die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt, denn Jahre später ereignet sich ein ähnlicher Vorfall, diesmal ist es die dreizehnjährige Van Laar-Tochter, die verschwindet. Die Suchaktion baut die Autorin zu einem Gesellschaftsporträt aus, in dem die Van Laars nicht vorkommen, wohl aber alle, die von ihnen abhängig sind, vom Wildhüter bis zum Kindermädchen. Erzählen kann Moore jedenfalls, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.03.2025
Sprachlich mag Liz Moores Krimi nicht so originell sein, wie Rezensentin Katrin Doerksen es sich wünschen würde, und auch das Ende überrascht sie nur insofern, als dass alles noch ein bisschen "perfider" ist, als sie anfangs befürchten konnte. Und dennoch liest Doerksen "Der Gott des Waldes" mit Faszination und Neugier. Dass die wohlhabenden Eltern eines verschwundenen Kindes irgendwelchen Dreck am Stecken haben, dürfte klar sein, wenn Jahre später auch noch das zweite Kind verschwindet, am selben Ort. Spannung wird in diesem Roman also weniger über den Plot erzeugt, als über die Vielschichtigkeit und Vielstimmigkeit der Erzählung, lesen wir. Mit einem verlässlichen Gespür für Timing arrangiert Moore die Berichte diverser Figuren und verleiht ihnen dabei jeweils eine eigene Stimme, Perspektive und Geschichte, so Doerksen, die außerdem beeindruckt ist, wie es der Autorin gelingt, ein präzises Bild vom Handlungsort, seiner Atmosphäre und Räumlichkeit zu vermitteln, an der sich deutlich ein "soziales Gefälle ablesen lässt". Auch um dieses Gefälle, die ungleiche Verteilung von Recht und Freiheit, geht es in diesem lobenswerten Roman, so die wohlwollende Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2025
"Eine Geschichte, die fortwirkt", liest Rezensent Hannes Hintermeier in Liz Moores neuem Roman, der in einem der Great Camps spielt, die sich die reichen New Yorker im 19. Jahrhundert als Rückzugsort gekauft haben, und die zum Zeitpunkt des Erzählens 1975 zu Survival-Sommercamps für Oberschicht-Kinder werden. Die Familie Van Laar hat in der Gegend einige Jahre zuvor ihren Sohn verloren, jetzt verschwindet auch noch ihre jüngere Tochter - sie ist möglicherweise Opfer eines Serienmörders geworden, schildert Hintermeier. Ihm gefällt, wie Moore mit den verschiedenen Zeitebenen und dem breit aufgespannten Roman-Personal von Familie bis Ermittlungsbehörden spielt, auch die Breite der verschiedenen Genres von Psychothriller bis Naturepos sagt ihm zu, da stört es ihn weniger, dass manche Figuren etwas holzschnittartig und floskelhaft geraten sind, wie er schließt.