Was hat eine Verkostung von 125 Jahrgängen des legendären und sündteuren Süßweins von Château d'Yquem mit der Arisierung jüdischer Vermögen zu tun? Und was hat eine österreichische Provinzstadt mit den "schlafenden Konten" bei Schweizer Banken, eine junge Jüdin namens Ruth mit dem "Buch Rut" des Alten Testaments, sowie das Alles zusammen mit Sartre und Camus, mit Marx und Bakunin zu tun? Die Handlung führt nicht nur in die merkwürdige Welt der Luxusweine und ihrer snobistischen Rituale sondern auch in eine nur zu gern verleugnete Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.12.2002
Weit mehr als ein "Weinkrimi" ist der Roman des Österreichischen Schriftstellers Michael Amon über einen an "pathologischer Vinophilie" erkrankten Mann, der auf der Suche nach einem 1740er Chateau d'Yquem auf noch viele mehr Dinge stößt als auf den begehrten Tropfen, berichtet Uwe Schütte. Die Welt der "Weinfanatiker" sei schon etwas "bizarr", etwas "bizarr" findet der Rezensent auch den Autor, der nicht verbergen könne, selbst dieser Spezies anzugehören. Auch der Wohnort des Protagonisten verweise auf autobiografische Spuren Amons, hat Schütte erkannt, der sich allerdings ob der dunklen NS-Vergangenheit von Amons Figuren für Gmunden am Traunsee gar nicht erwärmen mag. Amon jedenfalls, lautet das Lob von Schütte, sei mit diesem Roman eine "kunstvolles" und "vielschichtige" Synthese zwischen Unterhaltungs- und Anspruchsliteratur gelungen, die der Rezensent nicht nur Weinliebhabern empfiehlt.
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