Das "demokratische Weinbuch" ist kein klassischer Ratgeber, sondern ein Plädoyer für eine umfassende Teilhabe aller Menschen am Weingenuss. Es handelt von Globalisierung und Infantilisierung des Geschmacks, von der systematischen Verdummung der Verbraucher durch Marketinginstitutionen, Werbestrategen und gefällige Journalisten, zeigt aber auch auf, was man dagegen tun kann. Der Autor demontiert Mythen um "große Weine", stellt die "Helden des Alltags" vor, betrachtet den Wert eines Weines und das snobistische Verhalten manch betuchter "Connaisseurs".
Lieber noch mal nachdenken, ob es wirklich der Primeur sein muss oder der ewige Prosecco, rät Dago Langhans nach der Lektüre nein eben keines Weinratgebers, sondern eines beherzten Plädoyers für den selbstbestimmten Genuss der vergorenen Trauben. Das geht bei Rainer Balcerowiak nicht ohne solide Fakten, aber auch nicht ohne entlarvende Zitatmontage, Lobbyistenschelte und einen Exkurs in Sachen Weinproduktion in Nazideutschland ab (musste mal gesagt werden). Langhans jedenfalls bereitet das muntere Austeilen des Autors keine Kopfschmerzen, im Gegenteil. Er fühlt er sich aufgeklärt über Etikettenschwindel, Traubenmüll mit Kohlensäure und andere Geschmacksverbrechen. Prost.
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