Aus dem Englischen von Johanna Wais. Serena Williams lässt den Ball vor jedem Aufschlag genau dreimal aufspringen. Keith Richards isst immer ein Stück Sheperd's Pie, bevor er die Bühne betritt. Marie Curie konnte fatalerweise nur einschlafen, wenn ein Fläschchen Radium auf ihrem Nachttisch stand. Doch wie entstehen Rituale dieser Art? Und was unterscheidet sie von Gewohnheiten und Zwängen? Harvard-Professor Michael Norton hat sich mit einem Team aus Psychologen, Neurowissenschaftlern, Ökonomen und Anthropologen zehn Jahre lang mit Ritualen befasst: mit religiösen wie weltlichen, privaten und beruflichen. Sein Fazit: Rituale haben nicht nur eine wichtige Funktion bei der Verarbeitung von Trauer und Verlusten, sie können auch große Lebensabschnitte markieren, Menschen zu Höchstleistungen anspornen und in Jubel und mitreißende Ekstase versetzen. Dieses Buch ist eine Ermutigung, uns in Ritualen zu üben (gemeinsam oder allein) - um unserem Leben mehr Struktur, Zufriedenheit und Sinn zu verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.01.2025
"Rituale, die dein Leben verändern" ist, anders als der Titel vermuten lässt, "zum Glück" kein weiterer Selbstoptimierungsratgeber, klärt uns Rezensent Benjamin Knödler auf. Stattdessen untersucht Michael Norton seinen Gegenstand - Rituale und ihre Funktionen - aus verschiedenen, wissenschaftlichen Perspektiven. Angemessen findet das Knödler, denn diese Rituale und ihre Funktionen sind so vielfältig und facettenreich, dass man ihnen nur durch einen solchen multi-perspektivischen Zugang überhaupt gerecht werden kann. Dass der Verhaltensforscher dann schließlich doch auch die positiven Aspekte individualisierter Rituale heraus arbeitet und damit durchaus Rat gibt, kann den Rezensenten nicht mehr stören, da der Autor sich stets auf konkrete Fälle und Erkenntnisse aus der Forschung bezieht. Dieser Bezug zur Wissenschaft erschwert jedoch nie das Verständnis, eher im Gegenteil, so Knödler. Die vielen Fallbeispiele sind es, die diese Arbeit so ungemein anschaulich machen. Etwas bedauerlich findet der Rezensent nur, dass der Autor gerade gegen Ende, wenn es um die großen gesellschaftlichen Themen geht - Rituale im gesellschaftlichen Kontext - etwas "sprunghaft" wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2024
Wie vermeintliche Kleinigkeiten das Leben verändern können, und zwar oft zum Schlechteren, lernt Rezensent Bernhard Heckler von Michael Nortons schlauem Buch. Der Harvard-Professor Norton beschäftigt sich darin mit Alltagsritualen und unterscheidet zunächst Gewohnheiten von Ritualen. Letztere setzen nicht am "Was?", sondern am "Wie?" an, erklärt Heckler mit Norton, es geht also, zum Beispiel, nicht darum, ob jemand sich täglich Laufschuhe anzieht, sondern wie er sich die Schuhe bindet. Diese tagtäglichen Rituale hängen eng mit Identitätsbildung zusammen und werden deshalb oft zu Streitthemen in Beziehungen. Historisch gesehen geht es noch viel heftiger: Auch der Dreißigjährige Krieg ist laut Norton letzten Endes auf eine Uneinigkeit über religiöse Rituale zurückzuführen. Jedenfalls ist es hilfreich, rät der Autor, sich nicht zu sehr von den eigenen Ritualen abhängig zu machen: Auf das Maß kommt es an! Heckler kann mit diesen Empfehlungen gut leben.
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