Aus dem amerikanischen Englisch von Thorsten Schmidt. Seit kurzem versuchen Hirnforscher, Verhaltenspsychologen und Soziologen gemeinsam neue Antworten auf eine uralte Frage zu finden: Warum tun wir eigentlich, was wir tun? Was genau prägt unsere Gewohnheiten? Anhand zahlreicher Beispiele aus der Forschung wie dem Alltag erzählt Charles Duhigg von der Macht der Routine und kommt dem Mechanismus, aber auch den dunklen Seiten der Gewohnheit auf die Spur. Er erklärt, warum einige Menschen es schaffen, über Nacht mit dem Rauchen aufzuhören (und andere nicht), weshalb das Geheimnis sportlicher Höchstleistung in antrainierten Automatismen liegt, wie sich die Anonymen Alkoholiker die Macht der Gewohnheit zunutze machen und wie Konzerne Millionen ausgeben, um unsere Angewohnheiten für ihre Zwecke zu manipulieren. Charles Duhiggs Die Macht der Gewohnheit beruht auf Hunderten von Studien, Interviews mit zahlreichen Forschern und Führungskräften sowie den internen Untersuchungen Dutzender großer Unternehmen.
Kurz vor Jahresende ist der richtige Zeitpunkt, über Gewohnheiten nachzudenken, meint Ursula März. Den in "Die Macht der Gewohnheit" vom amerikanischen Wissenschaftspublizisten Charles Duhigg dargelegten Kernthesen stimmt sie grundsätzlich zu: Gewohnheiten sind ein prägender Faktor des sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen des Lebens. Sie sind mächtig, aber nicht übermächtig. Schlechte Gewohnheiten können abgewöhnt oder durch weniger schlechte ersetzt werden. So weit, so gut. Was der Rezensentin allerdings gegen den Strich geht, ist Duhiggs Tendenz, die Macht der Gewohnheiten zu brechen, um gesünder, glücklicher, produktiver zu werden. Darin erkennt sie die neoliberale Mentalitätspolitik der "andauernden effizienzorientierten Selbstoptimierung" nach "Maßstäben, die der Hygienefantasie entstammen". März' guter Vorsatz fürs neue Jahr lautet: keine guten Vorsätze.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2012
Die gute Nachricht, die Manuela Lenzen diesem Ratgeber des NY Times-Reporters Charles Duhigg entnimmt, lautet: Gewohnheiten sind kein Schicksal. Die schlechte lautet: Wir müssen was tun, um sie los zu werden, wir müssen die "Gewohnheitsschleife" aus Auslösereiz, Routine und Belohnung durchbrechen. Lenzen lernt, wie das geht. Vor allem aber erläutert ihr der Autor den Stand der psychologischen, neurologischen und ökonomischen Gewohnheitsforschung, nimmt mittels eines weiten Gewohnheitsbegriffs Stellung zur Psychologie des Glücksspiels wie zur Entstehung von Bürgerrechtsbewegungen und tut das alles gut lesbar und garniert mit spannenden Schicksalsgeschichten. Trotz der großen Perspektive, versichert Lenzen, verliert er dabei nicht den roten Faden.
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