Miral al-Tahawi

Gazellenspuren

Roman
Cover: Gazellenspuren
Unionsverlag, Zürich 2006
ISBN 9783293003583
Gebunden, 136 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Doris Kilias. Die Bilder im alten Haus am Nil sind Muhra seit ihrer Kindheit vertraut. Da ist zum Beispiel das Foto der drei Schwestern mit den bunten Schleifen im Haar. Oder ein Gemälde, von einem durchreisenden Franzosen gemalt: Beduinen sitzen um ein Feuer und sehen einer verschleierten Frau beim Tanz zu. Und von ihrem Vater gibt es Fotos mit seinem Lieblingsfalken und mit edlen Araberpferden. Jedes der Bilder birgt ein Geheimnis. Welche der drei Schwestern ist Muhras Mutter? Wer ist die tanzende Frau am Feuer? Weshalb nahm der Vater für reiche Ölscheiche an Falkenjagden teil, die nichts als eine Farce waren? Muhra will die Wahrheit wissen und sucht ihre Spuren in Erinnerungsfetzen, in den Geschichten der Alten, in versteckten Aufzeichnungen und Skizzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2006

Formal avanciert und dennoch leidenschaftlich sei Miral al-Tahawis erneut autobiografisch gefärbter dritter Roman, lobt Rezensentin Angela Schader. Dank einer ausschnitthaften Erzählweise gelinge es der Autorin, Geschichten von brutal unterdrückten beduinischen Frauen und ihrem Macho-Pascha zu erzählen, ohne ins Klischee zu verfallen oder billige moralische schwarzweiß Malereien zu betreiben. Indem Miral al-Tahawi die patriarchalischen Strukturen der Beduinen vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund ihrer Enteignung von Land und Besitz zeigt, dokumentiere sie gewissermaßen mit dem Untergang der eigenen Kultur das hilflose und "gebrochene" Verhalten der Immer-noch-Paschas. Als eher bewahrend denn zerstörend oder gar denunzierend versteht die Rezensentin diese Art von "scharfsichtiger" Hommage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2006

Einmal mehr zeige sich Mira al-Tahawi als großartige Erzählerin, jubelt Rezensentin Sabine Berking. Parallel zur Suche der weiblichen Hauptfigur nach ihrer Herkunft und leiblichen Mutter versuche auch die Autorin eine Form des Romans und Erzählens zu finden, die zu ihrem Projekt des autobiografischen Schreibens in der arabischen Welt passt. Das Ergebnis vergleicht die Rezensentin einerseits mit Tausendundeiner Nacht, wo das Erzählen ja auch um Kopf und Kragen geht, andererseits mit den für den Leser irritierenden und rätselhaften Erzählkonstruktionen des "nouveau roman". Träume und Erinnerungen, so die Rezensentin, seien als eine Art "poetischer Irrgarten" komponiert von "melancholischer Schönheit". Noch jede Figurenbeschreibung gerate bei Mira al-Tahawi zum Gedicht.
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