Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Ein alter Kämpfer, mit Beinamen "der Dichter", und ein junger Enthusiast reisen zufällig im selben Zugabteil nach Diyarbakir, trinken, rauchen Hasch, reden, bis "der Dichter" auf einmal dem jungen Mann ein Konvolut mit Manuskripten in die Hand drückt und sagt: "Los, lies!" Die lose miteinander verwobenen Erzählungen, Beschreibungen und Gespräche handeln, wie der junge Mann bald feststellt, von seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Gleichzeitig wird damit die Geschichte einer ganzen Generation erzählt, die die Hoffnung auf eine Revolution nie aufgegeben hat.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.10.2008
Der junge türkische Autor Murat Uyurkulak beschreibt in seinem Roman "Zorn" die linksradikale Szene in der Türkei zur Zeit der Siebzigerjahre. Und zwar "furios", wie Rezensent Tobias Völker befindet. Die Revolutionäre porträtiert Uyurkulak dabei als genauso versoffen wie visionär, berichtet Völker. Das größte Verdienst dieses Romans sieht der Rezensent darin, wie eindringlich er den Repressionsapparat auf der einen Seite und "Ohnmacht und Hass auf den Staat" auf der anderen Seite vergegenwärtige. Seine Auseinandersetzung mit dieser Zeit ist für Uyurkulak, der in den Siebzigern selbst noch ein Kind war, gleichzeitig ein Versuch, die eigene Herkunft zu erforschen und sich seiner selbst zu vergewissern, bilanziert Völker beeindruckt.
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