Die Vision, der Natur des Menschen in Gestalt eines Kindes ansichtig zu werden, das vollständig isoliert von der Umwelt aufgewachsen ist, treibt die Anthropologie des 18. Jahrhunderts seit Rousseau um und wird durch die Entdeckung sogenannter "Wolfskinder" immer wieder aufs neue genährt. Die experimentelle Beobachtung derartiger Kinder erfolgt aber nicht im Laboratorium, sondern als Fiktion: Nicolas Pethes rekonstruiert, wie literarische Fallgeschichten von Wieland, Wezel, Goethe, Kleist, Jean Paul u.a. ihre Zöglinge den proto-experimentellen Operationen des Isolierens, Irritierens, Observierens, Protokollierens und Interpretierens unterziehen und so das Menschenbild der Zeit artikulieren und ironisch reflektieren. Dabei wird die enge Verflechtung des anthropologischen Romans mit der wissenschaftlichen Experimentalkultur deutlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2007
Sehr angetan ist der Rezensent Alexander Kosenina von dieser Habilitationsschrift von Nicolas Pethes. Dieser befasst sich darin mit dem die Aufklärung sehr faszinierenden Phänomen der von außerhalb der Zivilisation aufgewachsenen Menschen, die bei ihrem Auffinden dann zum Gegenstand mannigfacher Beobachtungen, Spekulationen und Experimente wurden. Der Geist des Experimentierens ist es, der Pethes interessiert - und zwar im Niederschlag, den er in Romanen des 18. Jahrhunderts gefunden hat, von Voltaires "Candide" über Wezels "Belphegor" bis zu Goethes "Wilhelm Meister". Was Pethes so nachzeichnet, ist die Geburt des Bildungsromans aus dem Geist der Fallgeschichte. Der Roman wird dabei selbst zum anthropologischen Experiment. Kosenina findet die Funde und Darstellungen von Nicolas Pethes so originell wie überzeugend und glaubt, dass die in dem Buch gewonnenen Anregungen durchaus auch auf weitere Felder, etwa die im Buch selbst weitgehend ausgesparte Dramentliteratur, ausgedehnt werden können.
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