In Günther Anders ' Texten zur philosophischen Anthropologie wird der Mensch als ein Wesen porträtiert, das immer erst nachträglich zur Welt kommt und sich immer wieder aufs Neue selbst bestimmen und in der Welt heimisch machen muss. "Künstlichkeit ist die Natur des Menschen und sein Wesen ist Unbeständigkeit", schreibt er in Anlehnung an Helmuth Plessner und fordert die heutigen Leser geradezu heraus, seine Anthropologie an gegenwärtige Debatten etwa des Postfundamentalismus oder des Posthumanismus anzuschließen. Vor allem erschließen die hier versammelten Texte ganz wesentlich Anders ' Frühwerk, und erst durch sie erschließt sich die Stoßrichtung des Spätwerks vollständig. Denn sie zeigen, dass auch der späte Anders an der Idee der Weltfremdheit des Menschen festhält. Sie ist der Boden, auf dem sich seine Kritik der technologischen Moderne entfaltet. Das radikal offene Menschenbild von Günther Anders erfasst die Freiheit des Menschen ebenso wie seine Schöpferkraft - aber auch seine historischen Zurichtungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2019
Wolfgang Hellmich liest den Haupttext aus dem Nachlass des Heidegger-Schülers Günther Anders mit Gewinn. Trotz akademischer, komplizierter Schreibweise kann Anders ihm seine These von der Wesenslosigkeit des Menschen plausibel, ja aktuell verständlich machen. Zusammen mit den weiteren erstmals veröffentlichten Texten ergibt der Band für Hellmich einen Schatz, für dessen Bergung er den Herausgebern dankt. Als Pionier der philosophischen Anthropologie erscheint ihm der Autor hier, auch wenn das Ziel seiner Beschreibungen menschlicher Weltverhältnisse für den Rezensenten oft nicht klar wird und Hellmich sie als Vorarbeiten versteht.
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