Deutsche meinen, die Österreicher zu kennen. Das suggerieren ihnen die gemeinsame Sprache, die unbeschwerten Urlaubserlebnisse und die lebendige Berichterstattung über Jörg Haider. Aber kennen sie sie wirklich? Was auf beiden Seiten der Grenze gleich aussieht und genauso klingt, ist noch lange nicht dasselbe. Je mehr man miteinander redet, desto gründlicher missversteht man einander. Mit diesem Österreich-Führer nähert sich Norbert Mappes-Niediek, der seit vielen Jahren in Österreich lebt und auf vielfältige Erfahrungen aus dem Alltagsleben zurückgreifen kann, dem Nachbarland. Er beschäftigt sich mit dem besonderen Nationalgefühl, dem eigenartigen politischen System, mit Erziehung, Sozialwesen, Marketing und Freiwilliger Feuerwehr. Ein Kapitel gilt der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Verhältnis zu Ausländern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.07.2001
Der deutsche Journalist Norbert Mappes-Niediek lebt in einem Dorf in der Steiermark und hat sich Gedanken über das Wesen der Österreicher gemacht. In mehreren Kapitel (u.a. zu den Themen Nationalgefühl und Nationalsozialismus) beleuchtet er den Gegenstand von mehreren Seiten, gelangt aber doch, wie der Rezensent Thomas Schramme herausstellt, zu einer zentralen These: Österreich ist "geprägt von einem Muster, das in den Kategorien 'oben' und 'unten' verläuft". Die Gesellschaft, so Mappes-Niediek, ist durch und durch von den Parteien bestimmt - und dadurch fast schon wieder entpolitisiert. Was den Österreichern nach der Diagnose des Autors fehlt, sind "Gesinnungstäter" - das führe dazu, dass nach dem Schema von Herrschenden und Beherrschten Jörg Haider als "Underdog" die Sympathien auf seine Seite ziehen kann. Der Rezensent ist sehr angetan von Mappes-Niedieks Analyse, er bescheinigt ihm, ein "stimmiges Bild" zu zeichnen und zugleich eine "überzeugende Deutung" für die gegenwärtige politische Situation zu bieten.
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