Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.02.2003
Der Rezensent Thomas Schramme hatte sich wohl mehr von dieser Studie über das Böse erwartet. Denn in der Tat werde das Böse als solches gegenwärtig hauptsächlich von der Klatschpresse diskutiert. Die Philosophie behandle es dagegen weitgehend als "parasitären Begriff", als bloße "Negation des Guten". Abseits von theologischen Betrachtungen definiere Wolf das Böse als "Abkürzung für verschiedene Formen von Immoralitäten", doch das will dem Rezensenten nicht recht schmecken, da somit Böses und Unmoralisches in einen Korb geworfen würden. Weiterhin postuliere Wolf das Böse als Kehrseite der menschlichen Freiheit, doch wende er sich sowohl gegen Kants "Vertrauen in die Vernunft" als auch gegen einen "ethischen Nihilismus" und plädiere für einen "partikularen Egoismus", in dem moralische Forderungen vom Eigeninteresse ausgehen. Dies, bemerkt Schramme etwas naserümpfend, sei nun wahrlich nichts Neues und sei schon vom übrigens in Wolfs Studie abwesenden Thomas Hobbes formuliert worden. "Ungewöhnlich" findet Schramme, dass Wolf mit diesem "partikularen Egoismus" den Imperativ des "Werde, der du bist" verbindet, und darin "den 'aufgeklärten' Egoismus als Form der Selbstvervollkommnung und Hort des Nonkonformismus feiert". Schließlich beklagt Schramme Wolfs "fatalen Hang zu Kalendersprüchen" und dessen "deplazierte Gesellschaftsdiagnosen" und gelangt zu dem Fazit: "Sonderlich beeindruckend ist das alles nicht." Denn auch über das Böse erfahre man letztlich "kaum etwas".
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