Deutsch-Englisch. Mit 30 farbigen Abbildungen. Mit einem Nachwort von Norbert Wolf. 1912 wurde Egon Schiele - er war damals 22 Jahre alt - wegen Kindesmissbrauchs und Verbreitung von Pornografie angeklagt. Im Laufe des Prozesses verbrannte der Richter - der sich selbst einen "großen Freund der Kunst" nannte - eine Aktzeichnung des jungen Künstlers, der Skandal war perfekt. Seit der Barockzeit gab es in der europäischen Kunst immer wieder erotische Darstellungen, die zunächst ausschließlich für den privaten Bereich gedacht waren. Erst im 20. Jahrhundert wurden solche Bilder öffentlich gezeigt, was zunächst - wie im Fall Schiele - noch auf große Empörung stieß. Dieses Buch zeigt die schönsten dieser Zeichnungen und Aquarelle in einer Buchform, die dem ursprünglichen Skizzenbuch des Künstlers sehr nahe kommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2006
Was bei Gustav Klimt als risikolose Sinnlichkeit daherkommt, schreibt Manfred Schwarz zu diesem Band, der die Aktzeichnungen Egon Schieles versammelt, gerate beim "Neugotiker" Schiele zum Drama. Die Ausstattung, so lässt uns der Rezensent wissen, sei zwar die gleiche wie bei dem ebenfalls bei Prestel erschienenen Band mit den Aktzeichnungen Gustav Klimts, die Leichtigkeit, scheint Schwarz indes schmerzlich zu vermissen. Keine heiteren Nackedeis, keine "verwöhnten Serail-Geschöpfe" weit und breit, dafür "Missbrauchte und Entwurzelte" und "schockierend Entblößte". Eingedenk der von Schwarz eingeräumten "Meisterschaft und Bedeutung" der Zeichnungen üben allerdings auch diese, "dem Höllenfeuer der Geschlechtlichkeit ausgelieferten Körper" schließlich Faszination aus auf den schauenden Rezensenten: "Die Faszination des Schreckens".
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