Olga Ravn

Meine Arbeit

Cover: Meine Arbeit
März Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783755000303
Gebunden, 460 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Alexander Sitzmann und Clara Sondermann. Wie kann man eine fürsorgliche Mutter sein, ohne sich selbst zu verlieren? Nach der Geburt ihres Sohns verliert die Schriftstellerin Anna ihren Platz in der Welt. Noch im Schwebezustand nach der Entbindung zieht sie mit ihrem schwedischen Freund Aksel und ihrem kleinen Sohn ins verschneite Stockholm. Viel zu bald fällt das Paar gegen seinen erklärten Willen in überkommen geglaubte Geschlechterrollen. Anna ist völlig eingenommen von der Realität des neuen Lebens, das ihre komplette Aufmerksamkeit verlangt. Ihr bleibt nicht einmal Zeit für einen einzigen klaren Gedanken. Die Frustration zwischen ihr und Aksel wird so groß, dass ihre Beziehung daran zu zerbrechen droht. Um ihre immer stärker werdende Angst zu bekämpfen, beginnt Anna unzählige Online-Artikel zu lesen und teure Kleidung zu kaufen, die sie sich überhaupt nicht leisten kann. Anna ist sich sicher, dass es nur einen Weg gibt, dem drohenden Wahnsinn zu entkommen: Sie muss lesen und schreiben. Nur so kann sie wieder ein Teil der Welt werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.06.2024

Ein großartiges Buch über Mutterschaft ist das, jubelt Rezensentin Cornelia Geißler. Olga Ravns Buch hat 13 Anfänge, im weiteren setzt es sich aus diversen Textsorten zusammen, darunter Lyrik und Tagebuchpassagen, aber auch innere Monologe, lernen wir. Ob Schreiben auch eine Form von Hausarbeit sein kann, ist eine der Fragen, die im Buch gestellt sind, und überhaupt geht es, erläutert Geißler, zentral ums Schreiben sowie um das Verhältnis zwischen Schreiben und Leben. Die Autorin beobachtet Geißler zufolge, was Mutterschaft mit dem Leben einer Frau macht, der Geburtsvorgang wird detailliert beschrieben, ebenso wie die oft ambivalenten Gefühle dem Kind gegenüber sowie Probleme in der Paarbeziehung. Toll, wie innere Zustände in Prosa übersetzt werden, wie etwa Wiederholung mal zur Qual, mal aber auch zur Entspannung führen kann, lobt die Rezensentin, die das Buch insgesamt als befreiend empfindet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2024

Rezensent Stephan Opitz hat viel Respekt für Olga Ravns Versuch, sich aus der Mutterrolle herauszuschreiben mit ihrem essayistischen Roman über Mutterschaft, Geschlechterrollen und eben die verzweifelte Anstrengung, das Mutter-Sein und das Schreiben unter einen Hut zu bringen. Das gelingt ihr zumindest zeitweise, so der Eindruck des Rezensenten, der sich zwar mitunter ärgert über die disparate Form mit lauter Anfängen und Fortsetzungen und Schlüssen und Prosaischem, Lyrischem und Berichtendem, der aber über die Ängste und Sorgen, Hoffnungen und Pflichten einer schwedischen Mutter in unserer Gegewart eine Menge erfährt, lernt und begreift.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2024

Kritikerin Christiane Lutz fragt sich bei der Lektüre von Olga Ravns neuem Buch, warum man beim Lesen einer Geschichte über Mutterschaft eigentlich automatisch davon ausgeht, die Autorin sei selbst Mutter. Die Protagonistin Anna hat einen Sohn zur Welt gebracht, leidet unter postpartalen Depressionen und versucht irgendwie, ihre Arbeit als Schriftstellerin fortzusetzen, erfahren wir. Aber auch Mutterschaft ist Arbeit, lernt Lutz bei der Lektüre, Arbeit, an die immer die Erwartung geknüpft ist, man habe sich gern aufzuopfern. Das Buch ist eine Mischung aus Prosa, Lyrik und Tagebucheinträgen und legt die Situation arbeitender Mütter dar, ohne zu moralisieren, lobt die zufriedene Rezensentin. Dass Anna am Ende wieder schwanger ist, passt für Lutz zum ganz undramatischen Tonfall des Buchs.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2024

Rezensentin Julia Friese liest dieses in Dänemark bereits 2020 erschienene Buch von Olga Ravn als "Frankenstein-Text" über das Mutterwerden. Das beginnt laut Kritikerin bereits bei der Form, die neben Lyrik, Prosa und Drama auch Patientenakten, Tagebucheinträge oder Briefe an den Lektor vereint. Und endet noch lange nicht bei der Heldin, die sich in "Ich" und "Anna" spaltet, um über die vielfältigen Rollen als Mutter und die "Polykrisen" verschiedener Ichs zu sinnieren, erklärt Friese. Mehr noch: Der Text, den die Kritikerin als "radikale" Weiterentwicklung von Doris Lessings "Goldenem Notizbuch" liest, fordert Friese auch durch die fragmentarische Form und die zahlreichen Exkurse, auch zur Literatur über Mutterschaft, heraus. Das Ganze scheint der Rezensentin zwar "flüssig geleimt", zu einem konkreteren Urteil findet sie leider nicht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.02.2024

Ein ästhetisch herausforderndes, beeindruckendes Buch mit mehreren Anfängen über das In-Thema Mutterschaft legt Olga Ravn hier vor, so Rezensent Nico Bleutge. Die Erzählkonstellation ist laut Bleutge um eine Spaltung herum konstruiert, da die Hauptfigur während ihrer ersten Schwangerschaft sehr viel Text produziert hat, sich aber nicht wirklich an ihr eigenes Schreiben erinnern kann. Während der zweiten Schwangerschaft wird sie nun zu ihrer eigenen Herausgeberin, was dazu führt, dass der Roman ganz unterschiedliche Textsorten zu etwas Neuem kombiniert. Ravn sprengt die Zeitebenen und auch die literarischen Formen auf, erklärt ein begeisterter Rezensent, der selten ein "so äthetisch anspruchsvolles" Buch über Mutterschaft gelesen hat. Dabei zeigt Ravn zeigt nicht nur auf, wie das Thema Mutterschaft im gesellschaftlichen Diskurs überformt wird, sondern lässt auch ökonomische Aspekte nicht zu kurz kommen, lobt der Kritiker.

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