Oskar Pastior gilt als einer der eigenwilligsten, produktivsten und sprachmächtigsten Dichter der deutschen Sprache. Zum ersten Mal seit vielen Jahren werden einige der wichtigsten Bücher von ihm wieder zugänglich und bilden den Auftakt zur großen Werkausgabe des Dichters. Versammelt sind die Gedichtbände von "Gedichtgedichte" bis "Fleischeslust" und "An die Neue Aubergine", die der Siebenbürger Pastior in den siebziger Jahren schrieb, nachdem er aus Rumänien in den Westen übergesiedelt war und seiner Produktivität keine ideologischen Grenzen mehr gesetzt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.10.2003
Die Rezensentin Gabriele Killert hat ein neues Verfahren entdeckt: die Pastiorisierung. Gemeint sind Oskar Pastiors im wahrsten Sinne des Wortes "unglaubliche" Gesänge. Geradezu betörend findet die Rezensentin die verspielte Sprachmusik, die nach allen möglichen vollendeten Wendungen ihr "Geheimnis" doch nicht "preisgibt". Gedreht und gewendet werden vor allem die heiligen Kühe der Weltliteratur. Zum Beispiel Rilke: "Die Stulle im Palmengarten. Es ist eine himmlische Stulle, die durch die Anlagen geht, von Niemandes Widerspruch bemundet?" Bei Rilke hieß es noch "Stille"! Doch oft gehe es viel weniger offensichtlich zu, etwa wenn Pastior in einem Goethe-Satz alle Worte austausche, und darin nur "die syntaktische Form als Gespenst des Originals" übrigbleibe. Manches könne einem als "höherer Blödsinn" erscheinen, doch verglichen mit dem "Gespreizten" und "Angestrengten", das bisweilen als Lyrik daher komme, habe Pastiors schalkhafter "Nonsens" noch etwas von "ursprünglicher Dichtung". Er vermag es, so die völlig hingerissene Rezensentin, den "bedrängenden Realien" ein "leichteres spezifisches Gewicht" zu geben.
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