Eine Reise ins kanadische Montreal wird für den französischen Comiczeichner und L'Association-Mitbegründer Killoffer zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Allein durch die fremde Stadt treibend sieht er sich mit immer neuen Duplikaten seiner selbst konfrontiert. Die Manifestationen seiner inneren Wünsche und Triebe belagern kettenrauchend seine Wohnung und folgen ihm auf Schritt und Tritt, wohin er sich auch wendet. Killoffer, der Lebensversager, Killoffer, der Macho, Killoffer, der Misanthrop, Killoffer, der Sadist. Was passiert, wenn all die unterdrückten Aspekte der eigenen Persönlichkeit ans Tageslicht kommen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2007
Andreas Platthaus bespricht zwei gerade auf Deutsch erschienene Comic-Bücher, die, wie er glaubt, das ohnehin noch junge Genre vollkommen revolutionieren. Patrice Killoffer hält sich in seinem Band "Sechshundertsechsundsiebzig Erscheinungen von Killoffer" weder an Bild- noch an Figurenbegrenzungen, sondern lässt, wie der Titel schon sagt, 676 Erscheinungen seiner Killoffer-Figur in einem Bilderstrom durch den Band ziehen, erklärt der Rezensent. In größter zeichnerischer Strenge berichtet er über die vielen durch die Phantasie der Hauptfigur tobenden Versionen seiner selbst, die er als mordende, vergewaltigende, dann wieder als sich selbst bekämpfende Schreckensfiguren des "wahren" Killoffer inszeniert. Sie stehen für die "unterdrückten", gleichwohl unter der Oberfläche schlummernden Persönlichkeitsfacetten des alter ego des Autors, meint Platthaus. Der Rezensent ist von der Virtuosität der Zeichnungen und von der "graphischen Freiheit", die der Zeichner dabei an den Tag legt, zutiefst beeindruckt und bedauert lediglich, dass die deutsche Ausgabe die Übergröße des französischen Originals nicht übernommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2007
In einem Porträt des französischen Comic-Zeichners Patrice Killoffer kommt Christian Gasser immer wieder auf das Buch "676 Erscheinungen von Killoffer" zurück, das offenbar erst eine "hübsche, kleine Reisereportage" werden sollte, dann aber als "Geniestreich" endete. Killoffer, erzählt Gasser, gehört zur einflussreichen experimentellen Autoren- und Verlagsgruppe L'Association, deren weitere Mitglieder David B. oder Marjane Satrapi den Trend zum autobiografischen Comic auslösten. Für den rezensierenden Gasser ist es also nur folgerichtig, dass Killoffer sich dem Trend entgegenstellt und statt einer herkömmlichen Autobiografie einen "psychopathisch-psychedelischen Albtraum" vorlegt, in dem der arme Killoffer von seinen widerwärtigen Klonen verfolgt wird. Die "676 Erscheinungen" sind nicht nur "Horror und intellektuelles Experiment", betont Gasser. Sie sind vor allem "brillante Unterhaltung".
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