Patricia Melo

Die Stadt der Anderen

Roman
Cover: Die Stadt der Anderen
Unionsverlag, Zürich 2024
ISBN 9783293006027
Gebunden, 400 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita. Glitzernde Pools, kunstvolle Skulpturen und imposante Tore: Sehnsüchtig blickt Chilves auf die luxuriösen Wohnanlagen von São Paulo. Sein eigenes Leben könnte nicht weiter davon entfernt sein: Er findet Unterschlupf auf der Praça da Matriz, ein Ort, wo jene zusammenkommen, die keinen Ort mehr haben. Da ist Jéssica, seine Jéssica, die große Pläne hegt für ihre gemeinsame Zukunft. Da ist der kleine Dido mit seinem Hundewelpen, der Schriftsteller Iraquitan, der sich an der Schönheit seltsamer Worte festhält, oder Farol Baixo, der Lügner. Zwischen behelfsmäßigen Verschlägen und Öltonnen, in einer Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist, entsteht eine unerwartete Gemeinschaft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.03.2024

Ganz glücklich wird Rezensent Dirk Fuhrig nicht mit Patricia Melos neuem Buch, das während Jair Bolsonaros Amtszeit in Brasilien spielt, genauer gesagt in den Armenvierteln São Paulos. Eine Villa der Reichen kommt zwar auch vor, erfahren wir, deren Bewohner jedoch kaum, vielmehr will das Buch den Ausgestoßenen der Gesellschaft, wie etwa Prostituierten und Tagelöhnern, eine Stimme geben. Das steht in der Tradition des Sozialromans, wie sie etwa von Victor Hugo vertreten wurde, erläutert Fuhrig, wobei der zentrale soziale Gegensatz für den Rezensent zu eindimensional daherkommt. Schließlich gibt es auch eine brasilianische Mittelschicht, kritisiert Fuhrig, die kommt bei Melo aber nicht vor, dafür aber ein Elendsdichter, der eine fehlgeleitete literarische Ambition in das Buch hinein trägt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2024

Gut gemeint ist nicht gut gemacht: so könnte man das Urteil des Rezensenten Jobst Welge über Patrícia Melos Buch, das in Romanform von den Obdachlosen São Paulos erzählt, zusammenfassen. Dabei ist Melo, gesteht Welge zu, eine geschickte, auch sprachlich vielseitige Erzählerin, und das Figurenpanorama, bestehend unter anderem aus einem Migranten aus Venezuela, einer auf einem Friedhof hausenden Frau und einem Totengräber, hätte das Zeug zum harten Großstadtroman. Allerdings wird laut Welge die Vielstimmigkeit immer wieder durch die sozialkritische Agenda der Autorin untergraben, etwa, wenn objektiver Erzählton und Figurenerleben nicht klar voneinander getrennt werden. Wenn dann im Buch auch noch ein satirisch gezeichneter Schriftsteller auftaucht, der die Gefahr des literarischen Elendstourismus bannen soll, gleitet der Roman erst recht in Klischees ab, so der insgesamt ziemlich enttäuschte Rezensent.

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