Aus dem Englischen von Thomas Stegers. Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama, ein passionierter Fliegenfischer aus dem Jemen, hat einen Plan: Zum Wohle seines Heimatlandes sollen nordeuropäische Lachse in den Wadis des Wüstenstaates angesiedelt werden - koste es, was es wolle. Er beauftragt den britischen Wissenschaftler Dr. Alfred Jones mit dem Projekt. Jones gilt als internationale Größe in Sachen Lachs und Forellen. Gerade hat seine Publikation "Auswirkungen erhöhten Säuregehalts im Wasser auf die Larve der Köcherfliege" unter den Lesern von Trout & Salmon, der größten Zeitschrift für Profifischer in England, eine hitzige Debatte ausgelöst, und auch sonst verbucht er beruflich nur Erfolge. Zuerst verwirft er die Idee als komplett absurd. Aber ein paar gewiefte Politiker erfahren von dem Vorhaben und erkennen in ihm eine Möglichkeit, die Medien von den unerfreulichen Nachrichten aus dem Nahen Osten abzulenken. Schon bald mischt sich Englands profilneurotischer Premierminister ein, und Dr. Jones muss sich darüber den Kopf zerbrechen, wie er es schafft, zehntausend schottische Lachse in die Wüste zu fliegen und sie zu überzeugen, das sich in der sengenden Hitze genauso gut laichen lässt wie in den nebligen Highlands ?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.07.2007
Auch Rezensent Christoph Schröder kann angesichts dieses absurden Romans nur neidlos die Überlegenheit des britischen Humors anerkennen: "Understatement, trockener Humor und ein Sinn für das Absurde" - alles drin, wonach sich der Kontinentaleuropäer die Finger schleckt. Paul Tordays "Lachsfischen im Jemen" erzählt von dem verzweifelten Versuch des britischen Premiers, sein Image im Nahen und Mittleren Osten mittels eines Prestigeprojekts aufzubessern, für das ihn Scheich Muhammad ibn Zaini bani Tihama gewinnen konnte: eine Lachsfarm im jemenitischen Wadi. Wissenschaftler, PR-Agenten, Geheimdienstler und al Qaida werden davon gleichermaßen in Aufregung versetzt, und wenn auch die Geschichte für den Rezensenten hin und wieder eine alberne Wendung zu viel nimmt, hat er sich doch köstlich mit diesem "intelligenten Unterhaltunsgroman" amüsiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2007
Anja Hirsch entdeckt das Kind im Autor. Das "gigantische" wie humorige Vorhaben, Glaubensfragen anhand der Lachsfischerei zu verhandeln, und der Autor Paul Torday sind ihr sehr sympathisch. Zumal Torday Brite ist und mit entsprechendem Humor ausgestattet. Erfrischenderweise konfrontiert der Text die Rezensentin auch mit Spannung und einer Polyphonie, die zusammenzuhalten ihr allerdings einige Mühe macht. Zum Glück greift ihr eine patente Hauptfigur dabei unter die Arme. So kann Hirsch den Roman als "ironischen Abgesang" auf eine Welt genießen, in der Fisch und Mensch noch Träume haben.
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