Aus dem Arabischen von Sandra Hetzl. Zehntausend Zivilisten sind im Jemen-Krieg bereits ums Leben gekommen. Doch aus dem Alltag inmitten des mörderischen Konflikts ist sehr wenig bekannt. Die jemenitische Autorin und Journalistin Bushra al-Maktari reiste inkognito durchs Land - inspiriert von der Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch - und sprach unter Lebensgefahr mit ihren Landsleuten. Sie verleiht den Opfern dieses vergessenen Krieges Namen, Gesichter, Stimmen. Zum Beispiel Nassiba, deren kleine Tochter starb, weil sie sie im falschen Moment zum Krämerladen schickte. Oder Ahmad, dessen Bruder von einer Rakete zerfetzt wurde. Mit ihrem aufrüttelnden und stilistisch dichten Buch zwingt uns al-Maktari hinzuschauen. Ein schonungsloses Zeugnis, das uns den horrenden Preis des Krieges schmerzhaft bewusst macht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2020
Rezensentin Angela Schader gelangt mit Bushra al-Maktaris gesammelten Zeugenberichten aus dem Krieg im Jemen schmerzhaft nah an die Gewalt der Bomben und das Leid der Opfer. Die 400 Protokolle, von der Autorin laut Schader erfahren und behutsam arrangiert, spiegeln das Leiden der Zivilbevölkerung. Das ist für Schader in seiner Unmittelbarkeit so spannend wie erschütternd. Das Besondere jeder einzelnen Stimme kommt dabei zum Vorschein, meint sie. Harte Lektüre bedeutet das für die Rezensentin nicht zuletzt wegen der Kinder, deren Tod und Verstümmelung oft in den Blick kommt. Die grausame Wirklichkeit des Krieges, hier ist sie abgebildet, so Schader.
Susanne El Khafif fordert Respekt und Achtung für die Arbeit der Journalistin Bushra al-Maktari, die im bürgerkriegsversehrten Jemen ausharrt, um als Augenzeugin die Geschichten von Tätern und Opfern aufzuschreiben, Prokolle der Gewalt, des Todes und der Zerstörung. Was die Autorin dokumentiert, einfühlsam, aber sachlich, ist für die Rezensentin kaum erträglich, so intensiv erzählt al-Maktari von Luftangriffen, Flucht und Verlust.
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