Das Modell "Schweiz" ist in Gefahr. Der Druck von aussen, sich den üblichen Standards anzupassen, steigt. Und die Bereitschaft im Innern, Eigenverantwortung zu übernehmen, lässt nach. Was bedeutet das? Es könnte auf das Ende der historischen Mission der Schweiz hinauslaufen. Voltaire staunte, dass die Schweiz einen Platz in der Weltgeschichte ergattern konnte, obschon sie nichts als ein paar Felsbrocken anzubieten habe. Warum nehme man überhaupt von ihr Notiz? Seine Antwort: weil sie mehr Freiheit biete. Immer wieder schaffte es die Schweiz, sich mit ihrer Demokratie, dem Föderalismus, der Neutralität und der Mehrsprachigkeit von den vorherrschenden Trends abzuheben. Sie war eine Alternative. Die Schweiz muss ihre Eigenart bewahren. Entweder hat sie etwas Spezielles zu bieten, oder sie geht im Mainstream auf. Auf Voltaires Frage gäbe es dann keine Antwort mehr. Die Schweiz würde zwar dem Namen nach noch existieren, aber das wäre auch alles. Als Alternative hätte sie abgedankt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2023
Nicht ganz überzeugt ist Rezensent Niklas Zimmermann von Paul Widmers Überlegungen zur politischen Positionierung seines Heimatlandes. Die Grundthese des einstigen Schweizer Botschafters in Berlin ist, erfahren wir, dass die Schweiz sich nicht an die Erwartungen aus dem Ausland anpassen und eigenständig, neutral vor allem, bleiben soll. Anekdotisch schreibt Widmer, so Zimmermann, und unter anderem möchte er an die Frühgeschichte der Eidgenossenschaft erinnern, an den vom Freiheitsgedanken ausgehenden Zusammenschluss der Bauern im 13. Jahrhundert. Wenig hält der Autor dagegen von der Idee, heißt es weiter, die Schweiz zum Vorbild für die ganze Welt zu erklären. Stattdessen will Widmer laut Rezensent, dass die Schweiz die Schweiz bleibt und so neutral wie möglich bleibt, zum Beispiel auch im Ukrainekonflikt. Zimmermann wendet ein: Das wäre eine ziemlich eigenartige Außenpolitik, die dabei herauskommen würde. Nicht zuletzt könne sich die Schweiz nunmal im Zweifelsfall nicht selbst verteidigen. Vielmehr fragt sich der Rezensent, ob die Schweiz ihre zweifellos vorhandenen Stärken zum Beispiel in der Integrationspolitik nicht gewinnbringend in die EU einbringen könnte.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…