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Per Olov Enquist

Das Buch der Gleichnisse

Ein Liebesroman
Cover: Das Buch der Gleichnisse
Carl Hanser Verlag, München 2013
ISBN 9783446243309
Gebunden, 224 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Im Februar 2011 bekommt der Erzähler einen verbrannt geglaubten Notizblock mit Liebesgedichten seines Vaters zugeschickt. Neun Seiten fehlen. Sie werden zum Anstoß, der Frage nach dem Wesen der Liebe auf den Grund zu gehen. Und endlich von der Frau vom Larssonhof zu erzählen, die ihn in die körperliche Liebe einweihte - er fünfzehn und sie einundfünfzig. Das Buch der Gleichnisse handelt davon, wie all dies zusammenhängt: die Liebesgedichte des Vaters, das Erweckungserlebnis der Liebe und die puritanische Sexualmoral der Erweckungsbewegung in Schweden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2014

Enquist-Kenner werden sich in diesem Buch im Nu zurecht finden, schreibt Rezensent Christoph Schröder. Den hier in neun Kapiteln assoziativ aufgefächerten Katalog von Motiven und Figuren kennt man jedenfalls bestens aus den früheren Romanen des Autors: Es geht um eine verrückte Großmutter, um Alkohol-Missbrauch, Minderwertigkeitskomplexe, Schuldgefühle, natürlich um Enquists zentrales Thema, die Religion, und schließlich auch - wie der Kritiker unter Hinweis auf Enquists fortgeschrittenes Alter bemerkt - um den Tod. Jedoch, erhebt Schröder sofort den Zeigefinger, im innersten Wesen dieses zwar "anarchisch" wirkenden, doch in Wahrheit "sorgfältig und raffiniert komponierten" Werks zielt Enquist eben doch auf Anderes, auf etwas Neues, nämlich auf einen Liebesroman. Dieser nimmt seinen Ursprung in einem erotischen, spirituell aufgeladenen Erlebnis mit einer älteren Frau in der Jugend des Erzählers. Und wie diese beschrieben ist, nimmt Schröder offenbar so gefangen, dass er im Erzähler den Autor selbst zu erkennen meint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Ein eindeutiges Urteil vermag Rezensent Thomas Steinfeld über Per Olov Enquists "Buch der Gleichnisse" nicht zu fällen. Dennoch scheint er es, so lässt seine Rezension vermuten, mit Interesse und Anteilnahme gelesen zu haben. Den vom Verlag angekündigten Liebesroman entdeckt der Kritiker hier zwar nicht, dafür folgt er aber nicht weniger aufmerksam der Lebensgeschichte, vielmehr dem "Rechenschaftsbericht" des Autors, der hier neben ersten sexuellen Erfahrungen und Schwärmereien in neun Kapiteln von Sucht und religiösen Erweckungserlebnissen erzählt. Ein eindrucksvoller Versuch, das eigene Leben als Gleichnis zu deuten und das Metaphysische, Unsagbare auszudrücken ist dieses Buch in jedem Fall, meint der Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013

Die Liebesszene, in der die 51-Jährige den Jungen auf dem Waldboden verführt, gehört für Jochen Schimmang schon mal zum besten, was erotische Momente der Weltliteratur so hergeben. Und womöglich ist sie nicht erfunden, denn Schimmang begreift diesen "Liebesroman" als Fortsetzung von Per Olov Enquists Autobiografie mit andern Mitteln. Auch hier, erläutert Schimmang, geht es um Kindheit und um die Mutter, auch hier, so heiter und erfüllt allein die erwähnte eine Szene alles macht, ist der Hintergrund düster, geprägt von religiösem Fundamentalismus, Selbstmord, Alkohol und Zurückgebliebenheit. Motive, die der Autor, nicht linear erzählt, sondern umkreist, wie wir in der Besprechung lesen. Dass über all dem die Liebe strahlt, von der das Buch laut Schimmang zuallererst handelt, erfüllt den Rezensenten mit Rührung.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2013

Dass der Autor in diesem Buch lauter letzte Fragen aufwirft und ihnen auch noch standhält, findet Andreas Breitenstein schlicht großartig. Derart die Gegensätze auslotend, Ernst und Scherz, Zweifel und Trotz, Leben und Tod, dabei fragil, heiter und düster zugleich, aber vor allem: souverän - das hat den Rezensenten tief beeindruckt. Der 1934 geborene Autor hat seiner vielbändigen Roman-Autobiografie hiermit eine kunstvoll komponierte autobiografische Liebesgeschichte hinzugefügt, so der Rezensent, der Enquists Fähigkeit bewundert, nicht nur zarte Sexszenen zu schreiben, sondern auch den Gottesglauben seiner Mutter zu thematisieren und mit seinem "Riesenmuskel der Vorstellungskraft" seiner kindlichen Suche nach Sinn rückwirkend sprachlichen Ausdruck zu verleihen (elliptisch, fragend, kursiv). Dabei sind Figuren und Szenen entstanden, die der Rezensent nicht vergessen wird.