Groteskes erschüttert das scheinbar nicht Hinterfragbare, setzt kreative Kompetenz frei und trägt dadurch zur Transformation von Kulturordnungen bei. Der Autor untersucht das Groteske - eine zentrale literaturwissenschaftliche Kategorie - anhand von Fallbeispielen von Hesiod bis Grass und mit Seitenblicken auf die bildende Kunst. Auf der Basis dieser systematischen und historischen Analyse entwirft er eine Kulturtheorie des Grotesken und gibt einen umfassenden Überblick über das facettenreiche Thema. Erstmals werden dabei Theorien aus dem Kontext von Poststrukturalismus und Dekonstruktion angewendet. Wie sich der kulturelle Wandel auswirkt, zeigt sich an den Epochenbrüchen der frühen Neuzeit, der Romantik und der Moderne. Neben diesen Schwerpunkten werden aber auch die Riten und Mythen archaischer Kulturen behandelt. So entsteht eine Theorie des Grotesken, die für die gesamte kulturwissenschaftliche Forschung von Interesse ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2002
Helmuth Kiesel ist des Lobes und der Bewunderung voll: eine germanistische, kulturwissenschaftlich ausgerichtete Dissertation, die einen großen Bogen von den Grenzphänomenen und Metamorphosen der Kultur bis hin zu den Dekonstruktionstheorien der Gegenwart schlägt. Peter Fuß rolle sein Wissen ungemein instruktiv auf, lobt Kiesel, zugleich knüpfe er eine sehr stringent wirkende Theorie an, in der das Groteske als Medium des historischen Wandels betrachtet werde. Kiesel erläutert Schritt für Schritt die drei Teile der Fußschen Abhandlung, die im letzten Teil auch die post-ästhetischen Manifestationen des Grotesken unter die Lupe nimmt. Fuß komme zu dem Schluss, referiert Kiesel, dass wir gerade einen erneuten Epochenwechsel erleben, den er aus der Übertragung der Mittel der grotesken Dekonstruktion "aus dem ästhetischen in den theoretischen Kontext" ableite. Das sei teilweise reichlich spekulativ, meint Kiesel und lässt ihn bei aller Bewunderung von einem "modischen Mix" an Theorien und einem nicht von der Hand zu weisenden Hang zur kulturwissenschaftlichen "Alleswisserei" reden.
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