Eine Geschichte in E-Mails - zwischen Mirjam und ihrem etwas weisen Opa. Eine innige Geschichte von großer Nähe und Zugewandtheit: Im unvergleichlichen Härtling-Ton erzählt er leicht und klar von einer Freundschaft zwischen Großvater und Enkelin, die mit dem Tod nicht einfach aufhört. Mirjam ist 14 und berichtet ihrem beinahe 80-jährigen Opa von falschen (Facebook-) Freunden, dem Schulwechsel, der deswegen sein muss, und ermahnt ihn, sich nicht in ihre Angelegenheiten zu mischen. Der Opa antwortet - manchmal nicht sofort -, wie schwierig das mit dem Erinnern ist und erzählt, wie es für ihn damals, nach dem Krieg, war, die richtigen Freunde zu finden. Er gibt ihr Ratschläge, wie man mit Ängsten und mit Eltern umgeht, und versichert ihr, das Gästebett sei immer für sie gemacht. Mirjam erfährt von ihm, wie es ist, wenn man nicht mehr sicher auf den Beinen ist, und das Gefühl hat, alles sei vielleicht ein letztes Mal. Eines Tages antwortet Opa Mirjam nicht mehr ...
Einen gewitzten und zugleich witzigen E-Mail-Roman hat Peter Härtling da vorgelegt, findet Christian Staas. So realistisch und genau seien seine Beobachtungen, dass der Rezensent ihn beinahe der Dokumentarliteratur zuordnen würde. Mit "zärtlicher Nüchternheit" nähere sich Härtling dem autobiografischen Thema der Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln. Dass der Ton zwischen Opa und Mirjam dabei auch mal ruppiger wird, gefällt Staas, der sich noch ein paar E-Mails mehr zwischen den beiden gewünscht hätte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013
Den Rezensenten Christoph Launer mutet Peter Härtlings Briefroman über die Mails zwischen einem Großvater und seiner 14-jährigen Enkelin durchaus autobiografisch an. Er ist gerührt von der Nähe, die er zwischen den beiden spürt und zeigt sich erschüttert vom "schmerzhaften Schlussakkord" der Erzählung. Sein Fazit: Bestens übertragbar auf das Leben eines jeden heutigen Jugendlichen.
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