Niedrige Geburtenraten, leere Renten- und Pflegekassen - die Lage retten sollen jetzt die Frauen, indem sie mehr Kinder bekommen und noch mehr Alte pflegen? Sorry, aber der Ruf nach Methusalems Müttern wird ungehört verhallen. Entgegen den Behauptungen ist die Geburtenziffer, also die Anzahl der Kinder pro Frau, in Deutschland gar nicht zurückgegangen. Gesunken ist allein die Geburtenrate, was sich dadurch erklärt, dass Menschen heute älter werden. Wollen wir die nachhaltige Gesundheit der Bevölkerung aber wirklich als Defizit begreifen? Ist sie nicht gar eigentlich der Gewinn einer modernen Gesellschaft? Und welche Rolle spielt bei dieser Entwicklung die Emanzipation - auch in Zukunft? Antje Schrupp zeigt Möglichkeiten auf, im Potential des Alters künftig ein Plus, kein Minus zu sehen. Sie malt aus, welche gesellschaftliche Rolle älteren Menschen - und speziell den Frauen - zukommen könnte. Darüber hinaus macht sie deutlich, dass die Krise des Sozialstaats und der Finanzierbarkeit der sozialen Sicherungssysteme weit über das Feld der Demografie hinausweist.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.03.2007
Gute Idee, misslungene Umsetzung. So beurteilt Ulrike Winkelmann Antje Schrupps Gesellschaftsvision. Was laut Winkelmann als feministische Antwort auf Schirrmachers "Methusalem-Komplott" gedacht war, gerät in ihren Augen zum klischeeseligen Ritt auf der Welle des italienischen Feminismus der 1980er- und 1990er-Jahre. Dem hier angebotenen Lösungsvorschlag angesichts demografischer Menetekel ("Aufwertung des weiblichen zivilisatorischen Beitrags") kann Winkelmann wenig abgewinnen. Verhältnismäßig interessant erscheinen ihr die aufgezeigten vergleichbaren Sichtweisen auf das Alter bzw. die Weiblichkeit. Was Schrupp daraus macht, befriedigt die Rezensentin allerdings nicht. Betroffen sieht sie die vielversprechende Analyse abrutschen auf ein Niveau "zwischen Besinnungsaufsatz und Apotheken-Umschau".
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