Madrid in den Neunzigern, das ist ein Moloch voll finsterer Verlockungen und greller Existenzen. Verlockender und greller als das gut sein kann für einen jungen Deutschen mit romantischen Neigungen. Er will sich hier ein Jahr lang dem Studium der spanischen Kunst widmen und kommt sich schon nach wenigen Tagen vor wie im Inneren eines frühen Almodovarfilms. Das ist erst erschreckend, dann aber auch sehr unterhaltsam, dann wiederum eher traurig, und oft alles zusammen. Peter Richter schickt seinen Helden auf eine spanische Reise, deren Wendungen immer dramatischer werden. Denn jenseits der berühmten Prachtstraße Gran Via verlaufen Pfade, die die Desillusionierung schon in ihrem Namen tragen. Eine Geschichte über schöne Kunst und öliges Essen, verblüffende Frauen und verschlagene Männer, Deutsche im Ausland und Verhältnisse, die ihnen spanisch vorkommen. Nicht jedoch über Flamenco und auch kaum über Stierkampf!
Wenig hält Rezensent Merten Worthmann von diesem Roman, in dem der Autor seinem Eindruck zufolge eigene Erfahrungen im Rahmen eines Studienaufenthalts 1:1 verarbeitet hat. Auch missfällt dem Rezensenten augenscheinlich das zwanglose wie chronologische Draufloserzählen, sowie die etwas ungerechtfertigte Anpirschung an Julius Meier-Gräfes "Spanische Reise" von 1910. Zwar gebe es im Buch immer wieder essayistische Ausflüge. Doch die wirken auf den Rezensenten im "mühsam zusammengezurrten Roman-Kontinuum" meist fehl am Platz. Alles in allem hat die Hauptfigur einfach nichts erlebt, was den Rezensenten interessiert.
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