Peter Stamm

Das Archiv der Gefühle

Roman
Cover: Das Archiv der Gefühle
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2021
ISBN 9783103974027
Gebunden, 192 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Die Sängerin Fabienne heißt eigentlich Franziska, und es ist vierzig Jahre her, dass sie eng befreundet waren und er ihr seine Liebe gestand. Fast ein ganzes Leben. Seitdem hat er alles getan, um Unruhe und Unzufriedenheit von sich fernzuhalten. Er hat sich immer mehr zurückgezogen und nur noch in der Phantasie gelebt. Er hat sein Leben versäumt. Aber jetzt taucht Franziska wieder auf. Gefährdet das seine geschützte Existenz, oder nimmt er diese zweite Chance wahr?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2021

Rezensent Oliver Jungen erkennt einige der Stammmotive Peter Stamms in dessen neuem Roman. Es geht um Beziehungen, das Scheitern daran und die Verfügungsgewalt über die eigene Geschichte. Sympathisch am neuen Buch findet Jungen nicht nur den nerdigen Helden, einen Archivar, beruflich wie privat, der den Ausbruch aus der Welt des Bewahrens ins Echte (in die Liebe) wagen will, sondern auch die elegante Leichtigkeit, mit der Stamm die Geschichte sich entfalten lässt. Was davon real, was Wunschdenken der Figur ist, bleibt unklar. Für Jungen ein weiteres Plus der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.08.2021

Rezensent Jan Drees ist voll des Lobes über das neue Buch des Schweizer Bestsellerautors Peter Stamm. Er erzählt darin aus der Perspektive eines sehr einsamen mittefünfzigjährigen Ich-Erzählers, der nach dem Verlust seiner Stelle als Archivar ein eigenes, manisches Archiv von seinem "Lebensschwarm" Franziska anfertigt, informiert Drees. Die Erzählung rage zwar bis in die Corona-Gegenwart der Jahre 2020 und 2021 hinein, der Lockdown werde aber dem Rezensenten zufolge nie direkt benannt, sondern mache hintergründig die Atmosphäre im Buch aus, was Stamms Geschichte doch zeitlos wirken lasse. Das macht diese bedrohliche und doch melancholische Erzählung mit ihrem hoffnungserregendem Ende über Einsamkeit zu einem poetischer Höhepunkt der wachsenden Anzahl von Coronaromanen, schließt der Rezensent zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2021

Rezensent Rainer Moritz schätzt den typischen Peter-Stamm-Sound aus kurzen, gedämpften Sätzen ebenso wie Stamms Figuren - Eigenbrötler, die langsam dem Leben abhandenkommen. Beides findet er auch in Stamms neuem Roman über einen Archivar auf dem Rückzug in die eigene Erinnerung an eine vergangene Liebe. Die Moral der Geschichte, dass sich das eigene Leben nicht archivieren lässt, vermittelt der Text laut Moritz mit sanfter Melancholie und ohne große Geste.
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