Biologie und Fortpflanzungsmedizin sind zum Politikfeld geworden. Wir beginnen uns an das Wort "Biopolitik" zu gewöhnen. Der biologische Stoff, aus dem die Menschen sind, ist Gegenstand einer politischen Ökonomie neuen Typs. Stammzellen, Samen und andere Bestandteile des Körpers werden zur Ware. Eine Umwertung der Werte findet statt: Wenn wir vorherbestimmen können, ob unsere Kinder blaue oder braune Augen haben, wenn Wohlhabenden lebensverlängernde genetische Eingriffe angeboten werden, verändert dies sowohl unseren Alltag als auch unsere Einstellungen. Petra Gehring behandelt Themen wie Gewebe- und Organverpflanzung, reproduktionsmedizinische Angebote, Hirnforschung und Sterbehilfe. Kritisch nimmt sie die Biomedizin unter die Lupe und zeigt: Die menschliche Existenz verändert sich - ob zum Positiven oder Negativen, ist noch nicht entschieden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2006
Der "ujw" zeichnende Rezensent hat Petra Gehrings Gedanken zur Genforschung, Sterbehilfe und Bioethik offenbar erhellend gefunden. In der kurzen Besprechung des Bandes diskutiert er vor allem die beiden Aufsätze zur Bioethik. Dort beschreibt die Autorin, wie allein die Existenz einer Bioethik, also entsprechende Gremien oder Experten, die neuen technologischen Entwicklungen schon legitimieren können. Dabei diene allein die oft von Wissenschaft und Industrie angeregte Diskussion um die bioethischen Implikationen des Fortschritts schon als Gewissensberuhigung für die Konsumenten, die die Diskussion an die Experten abtreten und selbst nicht mehr tätig werden. Somit macht Gehring auch die Verbraucher zu verantwortlichen Beteiligten in der Konstruktion und Ausbildung von Biomacht. Dieser Sichtweise kann der Rezensent durchaus zustimmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2006
Eine "fulminante Streitschrift gegen die Logik der Lebensoptimierer" sieht Rezensent Christian Geyer in dieser kritischen Auseinandersetzung mit der Bioethik, die die Philosophie-Professorin Petra Gehring vorgelegt hat. Die Autorin untersuche darin nicht nur die paradoxen Effekte von Maßnahmen der "Soft Eugenics" und diskutiere biopolitische Fragen von der Stammzelle über den Vaterschaftstest bis zur Sterbehilfe, sondern befasse sich auch mit dem wissenschaftstheoretischen Status neurophysiologischer Determinismusthesen und dem Zusammenhang zwischen Hirnforschung und Strafrechtspolitik. Geyer zeigt sich vom Scharfsinn und der Sprachgewalt des Buchs beeindruckt, lobt dessen hohes Reflexionsniveau, das sich mit einem hohen Maß an Verständlichkeit paare, und würdigt die Autorin als "ganz eigenständigen Kopf". Und er bescheinigt dem Buch eine befreiende Wirkung: und zwar von der "zwanghaften Vorstellung falscher Notwendigkeiten".
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