Philipp Lenard

Wissenschaftliche Abhandlungen, Band 4

Cover: Wissenschaftliche Abhandlungen, Band 4
GNT-Verlag, Diepholz 2003
ISBN 9783928186353
Gebunden, 60 Seiten, 617,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und kritisch kommentiert von Charlotte Schönbeck sind hier Philipp Lenards Aufsätze zur Relativitätstheorie, dem 4. Band von Lenards Wissenschaftlichen Abhandlungen, zusammengestellt. Während die ersten drei Bände von 1942 bis 1944 erschienen sind, konnte der bereits von Lenard redigierte und mit handschriftlichen Ergänzungen versehene 4. Band der Abhandlungen wegen der Zeitumstände nicht mehr gedruckt werden. Das wird nun - mehr als 50 Jahre nach Lenards Tod - nachgeholt. Von den 15 Arbeiten dieses abschließenden Bandes bezeichnet Lenard 8 Veröffentlichungen als »Elektrische und optische Sonderuntersuchungen«, die 7 Abhandlungen zur Relativitätstheorie bezeichnet er als Untersuchungen zu »Äther, Energie und Gravitation«. Sie zeigen Lenards wissenschaftliche und politische Einstellung besonders deutlich, da er seine Kritik für diesen Band gegenüber den Originalarbeiten noch weiter zugespitzt und mit antisemitischen Bemerkungen versehen hatte. Als überzeugter Hitler-Anhänger glaubte er nun, die zunehmende Ablehnung seiner fest in der klassischen Physik wurzelnden Theorien durch die Kollegen dadurch erklären zu können, daß diese nicht erkennen wollten, daß die modernen physikalischen Theorien allein dem jüdischen Denken entsprungen seien und zur Erklärung der Natur gar nicht taugten. Dabei hatte er, um an dem für ihn unverzichtbaren Ätherbegriff - und damit einem absoluten Bezugssystem- festhalten zu können, immer neue, für seine Kollegen völlig unakzeptable ad-hoc-Hypothesen aufgestellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2003

Dieser Band, schreibt Ulrich Kühne, versammelt "den abscheulichsten Bodensatz an Dreistigkeit, Dummheit und Bösartigkeit, der in der Disziplin Physik je veröffentlicht wurde". Insofern machten nicht zuletzt Lenards unhaltbare Einwürfe gegen Einsteins Relativitätstheorie - die sich hier, wie man erfährt, erstmals mit den Anmerkungen des Autors von letzter Hand veröffentlicht finden - dieses Buch "tatsächlich zu einem einzigartigen Dokument". Es ist der Herausgeberin dafür zu danken, erklärt Kühne, dass sie uns mit diesem Band "eine abgründige Episode der Physik lebendig vor Augen" führt. Über den Autor erfährt man vom Rezensenten unter anderem, dass er sich 1920 auf einer Konferenz einen verbalen Schlagabtausch mit Anhängern der Relativitätstheorie geliefert hatte, der auch öffentliche Aufmerksamkeit Fand. Auch wähnte Lenard sich auch 1942 an den deutschen Universitäten noch "überall von jüdischem Geist umgeben". Nüchtern betrachtet zeigt der Band nun vor allem, schreibt Kühne, dass der "Arier" Lenard ein Mensch "mit einer rustikalen Wirklichkeitsvorstellung" war, "der nur gradlinig und einfach denken kann", und "dem Abstraktion und mathematische Theorie naturwidrig sind".

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