Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2001
Als Fortführung seiner "Rhone Saga" sieht Beatrice von Matt das neue Poem des Walliser Schriftstellers Imhasly, der von seinen Schweizer Bergen in das "alte lateinische Europa" hinuntersteigt, die Maske des Troubadours aufsetzt, zu allerlei weiblichen Gottheiten betet und dabei die verschiedensten Schreibgesten, Kulturräume und verschollenen Sprachen erkundet. Ein Poem also, das, von uns salopp formuliert, allerlei Bildungsballast mit sich herumträgt; die Rezensentin verweist auf ein anhängendes Glossar: "Was wohl nicht in jedem Wörterbuch steht". Wo die "Rhone Saga" noch biografische oder ethnografische Auskünfte erteilt, so von Matt, werden diese im Fall von "Paraiso si" von der - zugestanden wunderbaren - Dichtung verschluckt. Kein leichtes Leseunterfangen also, das aber durch immer wieder aufblitzenden Witz belohnt werde. Von Matt: "Die Frömmigkeit der Textreligion wird gelegentlich heruntergeholt", aber keineswegs "in Frage gestellt oder zerstört". Die Rezensentin sieht Imhaslys Poem als unzeitgemäße Betrachtung und Geste: eine Annäherung an den Hymnus.
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