Rebecca F. Kuang

Yellowface

Roman
Cover: Yellowface
Eichborn Verlag, Köln 2024
ISBN 9783847901624
Gebunden, 384 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jasmin Humburg. June Hayward und Athena Liu könnten beide aufstrebende Stars der Literaturszene sein. Doch während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena für ihre Romane gefeiert wird, fristet June ein Dasein im Abseits. Niemand interessiert sich für Geschichten "ganz normaler" weißer Mädchen, so sieht es June zumindest. Als June Zeugin wird, wie Athena bei einem Unfall stirbt, stiehlt sie im Affekt Athenas neuestes, gerade vollendetes Manuskript, einen Roman über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des Ersten Weltkriegs. June überarbeitet das Werk und veröffentlicht es unter ihrem neuen Künstlernamen Juniper Song. Denn verdient es dieses Stück Geschichte nicht, erzählt zu werden, und zwar egal von wem? Aber nun muss June ihr Geheimnis hüten. Und herausfinden, wie weit sie dafür gehen will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024

Rebecca F. Kuang hat einen Roman geschrieben, der die kulturkämpferischen Debatten der Stunde über Themen wie kulturelle Aneignung klug aufarbeitet, meint Rezensentin Susanne Klingenstein. Im Zentrum steht June Hayward, eine Schriftstellerin, die ihre deutlich erfolgreichere Kollegin Athena Liu beneidet und, nachdem letztere überraschend stirbt, deren Romanmanuskript als ihr eigenes ausgibt. Im Anschluss entfaltet sich laut Klingenstein eine Literaturbetriebsatire, die darstellt, wie ein Bestseller mithilfe von falschen Authentizitätsmarkierungen und textlicher Vereinfachungen entsteht, und auch, wie die entlang postkolonialer Narrative gestrickten Empörungsschleifen des Internets funktionieren. Kuang selbst argumentiert subtil, findet die Rezensentin. Umso ärgerlicher, meint Klingenstein, ist einerseits das Holzhammercover, das der Verlag der deutschen Fassung verpasst hat, und andererseits Jasmin Humburgs ungenaue Übersetzung, die zahlreiche englische Redewendungen falsch wiedergibt. Kuang hat in Zukunft bessere deutsche Editionen verdient, schließt Klingenstein.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.03.2024

Gut unterhalten fühlt sich Rezensentin Sonja Hartl von Rebecca F. Kuangs Buch, neue Erkenntnisse beschert es ihr nicht. Es geht, lernen wir, um eine erfolglose weiße Schriftstellerin, die sich das Werk einer verstorbenen, Hongkong-stämmigen Kollegin aneignet, es umarbeitet und als ihr eigenes ausgibt. Geschickt geschrieben ist das, findet Hartl, da die stehlende Autorin als Erzählerin fungiert und dabei so manipulativ vorgeht, dass die Brüche in ihrer Darstellung erst nach und nach sichtbar werden. Insgesamt bleibt die Anordnung jedoch in den Bahnen, die man bei Themen wie "kulturelle Aneignung" und "Diversität" erwartet, so Hartl. Provoziert fühlt man sich davon nicht, so das Fazit.

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