Zehn Jahre nach der Vereinigung gehen die Uhren im Osten Deutschlands noch immer anders. Woran das liegt, was daran schön, was daran ärgerlich ist, darüber schreibt Reinhard Höppner in diesem Buch: ein Buch gegen Vorurteile, gegen das heute vorherrschende DDR-Bild, in dem sich die "gelernten DDR-Bürger" nicht wiederfinden. Die Suche nach Schuldigen verstellt den Blick auf die Wahrheit. Höppner wendet sich gegen die Selbstgerechtigkeit der Sieger. Sein Motto: das Trennende aussprechen, um es zu überwinden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2000
Schon der Untertitel des Buches - "Ein Solidaritätsbeitrag zur Deutschen Einheit" - weckt in Stefan Dietrich "ein ganzes Rudel schlafender Gedankenhunde", die bei fortschreitender Lektüre offenbar immer lauter kläffen. Höppners 25 Erklärstücke über ostdeutsche Befindlichkeiten erklären dem Rezensenten rein gar nichts. Jedesmal, wenn der Autor ankündige, jetzt müsse man aber mal offen und ehrlich über die Mängel des Kapitalismus oder einen neuen Sozialismus reden, "macht sich Höppner aus dem Staub", klagt der Rezensent. Und das ständige Gerede von "Siegern und Besiegten" erweckt in Dietrich den Verdacht, dass Höppner solche Ressentiments vor allem braucht, "um selbst als Anwalt der Erniedrigten und Beleidigten hervortreten zu können."
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