Mit 13 Abbildungen. Tosun ist der Sohn eines Istanbuler Papierfabrikanten, im Herbst 1958 kommt der junge Türke nach Deutschland - noch vor den Gastarbeitern. Nach dem Studium heiratet er Maria, die von einem bayerischen Bauernhof stammt, und gründet eine Familie, in der nur Deutsch gesprochen wird. Tosun wird Manager in einer deutschen Firma und deutscher Staatsbürger. Er beginnt, auf Deutsch zu träumen, und sogar sein Gaumen passt sich deutschen Gepflogenheiten an: Er entwickelt eine Vorliebe für Schweinebraten und Weißbier. Doch heute, sechzig Jahre später, zieht Tosun eine ernüchternde Bilanz. Zwar hat er alles unternommen, um sich zu integrieren. Dennoch wurde ihm immer wieder bedeutet, dass er weniger wert sei als ein "echter" Deutscher. Ganz anders erging es seiner Schwester, die damals in die USA auswanderte - und dort nie Diskriminierung erfuhr. Der Journalist Can Merey erzählt die Geschichte seines Vaters. Nach der Lektüre erscheint das Leben der drei Millionen Deutschtürken in neuem Licht - und die komplexe Beziehung Deutschlands zur Türkei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.07.2018
Rezensentin Christiane Schlötzer zeigt sich beunruhigt von den Mitschnitten der Gesprächen, die der Journalist Can Merey mit seinem deutsch-türkischen Vater geführt hat. Als "bewegende" und "bittere" Bilanz deutsch-türkischer Missverständnisse erlebt Schlötzer den Konflikt zwischen Vater und Sohn um politische Ausrichtungen und Erfahrungen mit dem Fremdsein in Deutschland und anderswo. Auch als Beitrag zur aktuellen Ausländerdebatte lässt sich das Buch laut Schlötzer lesen. Deutlich wird für sie, wie alt viele Vorurteile bereits sind und wie ernstzunehmend die Ängste eines Mannes sind, der sein Leben lang um die eigene Integration bemüht war - vergeblich.
Auch wenn das Buch laut Rezensent Jürgen Gottschlich keine Patentlösungen für die perfekte Integration liefert, scheint es dem Rezensenten höchst lesenswert. Wie der dpa-Korrespondent Can Merey darin die Geschichte seines Vaters, eines Abkömmlings der türkischen Oberschicht, und dessen Versuche beschreibt, in Deutschland heimisch zu werden, bietet dem Leser laut Gottschlich zugleich eine genaue Analyse der deutsch-türkischen Beziehungen der letzten Jahre. Bemerkenswert findet der Rezensent, dass es hier nicht um eine klassische Gastarbeitergeschichte geht, sondern um das Scheitern der Integration trotz bester Voraussetzungen und besten Willens.
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