Was entsteht, wenn sich ein Künstler der deutschen Sprache verschreibt, auf die tägliche Dosis Lesestoff mit selbst gepanschten Wörtern reagiert und diese in einem Blog publiziert? Nach zwanzig Jahren Arbeit legen René Gisler und seine zahlreichen Co-Autorinnen und Co-Autoren nun ein geballtes Sprachkunstwerk vor, das seinesgleichen sucht. Mit dem "Thesaurus rex" wird die umfangreichste je gedruckte Enzyklopädie an Worterfindungen Wirklichkeit. Bei den mehr als 16.000 Einträgen geht es aber nicht darum herauszufinden, was mit dem Alphabet klanglich oder experimentell nun noch so anzustellen wäre, so wie es etwa Dadaisten oder Vertreter der Lautpoesie praktiziert hatten. Vielmehr orientieren sich die Wortschöpfungen am ganz normalen Wortschatz. Koseworte werden erweitert zu "Narkoseworte", Information und Ration fusionieren zur "Informration", und mal fällt auch ein Buchstabe weg und die Wirklichkeit wird als "Wirkichkeit" entlarvt. Die schiere Menge an Wortneuschöpfungen suggeriert Ernsthaftigkeit und Seriosität. Ein Versprechen, das die Herausgeberinnen und Herausgeber aber glücklicherweise nicht einlösen - denn die Bleiwüste lebt.
Florian Felix Weyh zieht jede Menge Erkenntnisgewinn, ja Weltweisheit aus dem von René Gisler, Eva Braun, Petra Meyer und Armin Müller herausgegebenen "Thesaurus rex". Das geht so: Die eigene Weltwahrnehmung stören lassen durch in schöner Netzkollaboration gewonnene frei flottierende Einträge wie "Lachdatten", "Entzücklika" oder "Stauchsauber" und die dazugehörigen Erklärungen. Keine Kalauer, nein, versichert Weyh, sondern aus Tippfehlern, Irrtümern und Aussetzern gewonnenes "Neutsch", also Neu-Deutsch. Eine veritable Hausbibel getarnt als zeitgemäßes Lexikon, meint er.
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