Er war der klassische Flaneur mit der Kamera Robert Doisneau (1912-1994) liebte "sein Paris" und kannte es in- und auswendig. Angefangen hatte er als Werksfotograph bei Renault. Ab 1939 arbeitete er als freier Photograph u. a. für Vogue, Paris Match und Life. Der Krieg brachte ihn zum Bildjournalismus: Er wurde der Photograph der Resistance, dokumentierte die Besetzung und die Befreiung von Paris. Seine wahre Liebe aber galt immer dem Alltagsleben rund 350.000 Aufnahmen von Pariser Straßenszenen umfasst sein Archiv, darunter der berühmte, 1950 entstandene "Kuss vor dem Rathaus".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.02.2011
Arno Widmann macht in Robert Doisneaus zwischen 1935 und 1991 entstandenen Pariser Schwarzweiß-Aufnahmen einen geradezu orientalischen Charakter aus und lässt sich von der aus der Spontaneität geborenen "Erotik" der Bilder faszinieren. Es ist vor allem das Paris der kleinen Leute und der Hinterstraßen, das den Fotografen interessiert hat, stellt der Rezensent fest und er bemerkt in dem genauen und unverstellten Blick Doisneaus einen fundamentalen Unterschied zu den Fotos, die etwa August Sander mit systematischem Anspruch von Arbeitern gemacht hat. Und selbst da, wo Doisneau Striptease-Tänzerinnen fotografiert, wirken sie "fast" unschuldig, findet der Rezensent, wobei Widmann gerade in diesem "fast" die Ausstrahlung dieser Bilder festmacht.
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