Robert Schlesinger

Die Emotionale Revolution

Die Oper als Schlüssel zu den 150 Jahren des 19. Jahrhunderts
Cover: Die Emotionale Revolution
Czernin Verlag, Wien 2001
ISBN 9783707601312
Gebunden, 310 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

"Sie ist betrübt und sagt, dass sie nie wieder eine haben wird, die so hübsch ist" - Reaktion einer Mutter, die soeben erfahren hat, dass ihre kleine Tochter gestorben ist. Eltern, die sich nicht erinnern, wie viele Kinder sie schon verloren haben. Bauern, die lieber das Pferd kurieren lassen als ihre Frau. Nachrichten aus einer unendlich fernen Welt? Keineswegs. Was wir für das selbstverständliche Gefühlsleben jedes Menschen halten, ist in Wahrheit keine 250 Jahre alt: Gefühle im modernen Sinn entstanden im späten 18. Jahrhundert in Europa. Robert Schlesinger stellt die Theorie auf, dass diese Emotionale Revolution die Voraussetzung für die europäische Moderne bildet, gewissermaßen die Mutter der Französischen wie auch der Industriellen Revolution. Der Ausgangspunkt der Theorie - die ursprüngliche Frage des Autors - mag erstaunen: Welches gesellschaftliche Bedürfnis stillte die Oper?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2002

Demonstrativ selbstbewusst sucht Robert Schlesinger die Operngeschichte völlig umzuwerten und neu zu schreiben, berichtet die Rezensentin Ellen Kohlhaas eingangs. Ein Versuch, der ihm einige Kritik von Kohlhaas einbringt. Schlesingers These lautet: Nicht Bürgertum und Kapitalismus haben das neunzehnte Jahrhundert geprägt, sondern Gefühle, die erst gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts als "Emotionale Revolution" ausgebrochen seien, weshalb die Oper keine bürgerliche Kunstform gewesen sei, sondern die einer "emotivierten" Gefühlsgesellschaft. Diese These erscheint Kohlhass zu linear und monokausal. In der emotionalen Thematik der Werke von Mozart bis Puccini, die er aus den Texten der Opern ausführlich herausarbeitet, erblickt Schlesinger nach Auskunft der Rezensentin den Grund für die Beliebtheit ihrer Opern. Kohlhass wirft Schlesinger diesbezüglich vor, einseitig textbezogen zu sein und die Musik dieser Werke zu ignorieren, was ihn zu der "absurden Feststellung" verleite, man könne "ohne weiteres" Mozart mit Offenbach, Verdi mit Max von Schilling und Donizetti mit Richard Strauss vergleichen. Überhaupt ist die Gattung Oper und ihre Geschichte für die Rezensentin "reicher und unberechenbarer, als Schlesingers verengte Sicht es erkennen lässt". In der emotionalen Individualisierung der Gesellschaft erkennt die Rezensentin im Unterschied zu Schlesinger nur eine Bedingung für die Popularisierung der Oper im neunzehnten Jahrhundert. Mindestens ebenso wichtig findet sie jedoch politische, musikstilistische und -betriebliche Entwicklungen im Zusammenhang mit den Nachbarkünsten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.01.2002

So ganz mag Udo Bermbach der Absicht von Robert Schlesinger, die Geschichte der Aufklärung, des 19. und 20. Jahrhunderts auf 279 Seiten neu zu schreiben, nicht zustimmen. Das wesentliche Element dieser Zeiten sei eine emotionale Revolution gewesen, die sich besonders deutlich in der nachbarocken Oper manifestiert habe, referiert der Rezensent die Thesen des Autors. Immer dann, wenn einer mit Wissensbeständen abrechne, werde vereinfacht, die eigene These zur Obsession, warnt Bermbach. Trotzdem findet er die Abhandlung von Schlesinger lesenswert, denn sie enthalte überraschende Einsichten und Anregungen, mit dem vorhandenen Wissen über diese Epochen kritischer ins Gericht zu gehen.

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