Die Straße
Roman

Claassen Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783546100335
Gebunden, 240 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in ihr alles, was Menschen passieren kann.Ein Junge wird vom Jagdfieber gepackt. Ein anderer weiß nicht, wohin mit seiner Wut. Eine Blumenhändlerin lebt für einen Mann, der sie nicht einmal sieht. Eine Heimleiterin wacht über ihre Schützlinge und ist selbst die Einsamste von allen. Ein Geistlicher kommt seiner Gemeinde abhanden. Sorge rüttelt an den Bewohnern, Sehnsucht treibt sie nachts auf die Straße, die Liebe bringt sie um den Verstand. Sie haben Träume und Geheimnisse. Ihre Wege kreuzen sich täglich, doch was wissen sie voneinander? In seinem neuen Roman verknüpft Robert Seethaler ihre Geschichten zu einem Mosaik der Augenblicke - und damit des Lebens selbst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2026
Restlos zufrieden scheint Rezensentin Aurelie von Blazekovic mit Robert Seethalers neuem Roman nicht zu sein, auch wenn die Prämisse spannend ist: Fragmentarisiert erzählt er von der Heidestraße, Stadt unbekannt, ihren Häusern, ihren Bewohnern, ihren Schicksalsschlägen. "Störend unspezifisch" ist für Blazekovic aber, dass diese Straße so hyperlokal ist und auch der geschilderte Zeitraum nicht klar wird - wenn in den gastronomischen Betrieben der Straße von Staubzucker und Butterbuchteln die Rede ist, klingt es nach Wien, aber der Ausdruck Treppenhaus lässt eher auf Deutschland schließen. Das Impressionistische an diesem Buch weiß die Kritikerin durchaus zu schätzen, sie hätte sich allerdings mehr konkrete Anhaltspunkte gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 15.05.2026
Als eine originelle "Form des literarischen Streetviews" charakterisiert Rezensent Wolfgang Schneider Robert Seethalers raffiniertes erzählerisches Arrangement in "Die Straße". Heimliche Heldin dieses Roman ist folgerichtig die Straße selbst, "scheinbar unscheinbar" bietet sie eine Art Querschnitt menschlicher Erfahrungen: enttäuschte Liebe, üble Gerüchte, Kriegserinnerungen, Obdachlosigkeit, Rassismus, Migration, Brandstiftung und fragwürdige Immobiliengeschäfte. Seethaler lässt seine Erzählung flugs über all diese Geschehnisse und Gespräche hinweggleiten, verknüpft dabei seine knappen Momentaufnahmen geschickt durch wiederkehrende Motive und Begriffe, lesen wir. Zum Anfang mögen einige der oft namenlosen Stimmen noch etwas gespensterhaft wirken, so der Kritiker, doch nach und nach entfaltet sich vor den Lesenden eine Art literarisches "Wimmelbild" voller klarer, schillernder Charaktere und Verbindungen. Verkürzungen sind zwangsläufig integraler Bestandteil dieser Erzählweise, erkennt Schneider. Ins Gefühlsselige kippen sie nur einmal, in der Erzählung einer verliebten Floristin. Doch dies scheint der Rezensent diesem Autor ohne weiteres nachsehen zu können, der hier seine Kunst der Darstellung komplexer Mikrokosmen zur Perfektion bringt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2026
Rezensent Andreas Platthaus bewundert Robert Seethalers Beschreibungsgenie. Der neue Roman, vielleicht der letzte des Autors, erscheint Platthaus noch einmal das ganze literarische Können Seethalers zu zeigen. Es geht um die Bewohner einer Straße in Berlin oder Wien, um Blumenhändler, Ärzte, Ehepaare und Zwangsgeräumte, erklärt Platthaus. Wie Seethaler die Perspektiven und Formen wechselt, Dialoge, Monologe, Chroniken, Protokolle, Baupläne und Liebesbriefe, findet er stark. Ein Roman wie ein Wegenetz durch die Gesellschaft, Umleitungen, Sackgassen und Einbahnstraßen inklusive, meint Platthaus begeistert.