Shumona Sinha

Staatenlos

Roman
Cover: Staatenlos
Edition Nautilus, Hamburg 2017
ISBN 9783960540472
Gebunden, 160 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Lena Müller. Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen. Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird. Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2018

Rezensentin Angela Schader schätzt den Mut der in Kalkutta geborenen Autorin Shumona Sinha, die ihren Job als Dolmetscherin im Pariser Amt für Flüchtlinge und Staatenlose verlor, nachdem sie in ihrem Roman "Erschlagt die Armen!" schonungslos mit dem Asylsystem abrechnete. Entsprechend erwartungsfroh nimmt die Kritikerin den neuen Roman zur Hand, der ihr von zwei Frauen erzählt, die auf jeweils eigene Art und Weise aus dem ihnen vorgeschriebenen Rahmen treten. Schader wird erneut nicht enttäuscht: Wie Sinha das Schicksal ihres Alter Egos Esha, die von französischen Einbürgerungsbeamten, Banlieue-Jungs und Männern auf der Straße rassistisch und anzüglich bepöbelt wird, mit dem Schicksal des im kommunistischen Westbengalen lebenden Bauernmädchens Mina, die von ihrer Familie verstoßen, von Unbekannten vergewaltigt und verbrannt wird, kreuzt, erscheint der Rezensentin fesselnd, "bitter und hart" geschildert. Einfühlungsvermögen, differenzierte Figurenzeichnung und nachhallende Bilder machen diesen Roman für die Kritikerin zu einem Meisterwerk.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.11.2017

Laut Katharina Granzin krankt der neue Roman von Shumona Sinha, der von zwei Frauen erzählt, an einer falschen Gewichtung der Figuren und an Effekthascherei. Was das Schicksal einer indischen Intellektuellen in Paris mit dem Tod einer indischen Bäuerin zu tun hat, erschließt sich der Rezensentin nicht. Die Ausarbeitung des Textes erscheint Granzin in dieser Hinsicht mangelhaft. Und mehr noch: Wenn die Mordgeschichte aus Indien die von Frauenfragen bestimmte Paris-Handlung interessant machen soll, wie Granzin vermutet, ist das für die Rezensentin mindestens fragwürdig.

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