Glanz und Elend Preußens lassen sich so sinnfällig an dem Gebäude des 1899 eingeweihten Preußischen Landtags erzählen wie an kaum einen anderen Ort. Dort, wo heute das Abgeordnetenhaus von Berlin tagt, kamen bis zum Ende der Hohenzollernmonarchie 1918 die Parlamentarier des preußischen Königreichs zusammen; dort trafen sich die Arbeiter- und Soldatenräte während der Novemberrevolution; dort wurde die KPD gegründet. In der Weimarer Republik war der Preußische Landtag der Ort des demokratischen und republikanischen Preußen, bis die Nationalsozialisten an die Macht kamen und daraus das "Haus der Flieger" und den zeitweiligen Sitz des berüchtigten Volksgerichtshofes machten. Siegfried Heimann gibt einen umfassenden Überblick über die wechselvolle politische Geschichte des Preußischen Landtags bis zur Auflösung Preußens im Jahr 1947 und schildert die kontroversen Debatten, die in diesem Haus geführt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2012
Nach der Lektüre von Siegfried Heimanns Darstellung über die Geschichte des Preußischen Landtages von 1899 bis 1947 hat Rezensent Bernd Sösemann einige Verbesserungsvorschläge für den geplanten Nachfolgeband zu machen: "lebendiger" sollte dieser sein und bitte auch mehrere Perspektiven berücksichtigen. Denn hier hat der Kritiker zwar einiges über die Vorgeschichte, die "Frauenfrage" oder "das Parteiensystem und die Parteien" gelesen, aber er hätte sich durchaus gewünscht, dass Heimann sich mehr mit den Dokumenten und Quellen auseinandergesetzt hätte, als sich an der geschichts- und politikwissenschaftlichen Forschung der Arbeiten von Helga Grebing oder Sebastian Haffner zu orientieren. Darüber hinaus rät Sösemann zu einer chronologischen Ordnung der Darstellung, denn durch die Unterteilung in verschiedene Themenabschnitte müsse der Leser die Zeit zwischen der ersten demokratisch gewählten preußischen Regierung im Jahre 1919 und dem Staatsstreich von 1932 allein dreizehn mal durchqueren.
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