Silke Scheuermann

Reiche Mädchen

Erzählungen
Cover: Reiche Mädchen
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783895613708
Gebunden, 163 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mit den Erzählungen "Reiche Mädchen" legt Silke Scheuermann ihr Prosadebut vor, poetisch und akzentuiert wie ihre Lyrik. Ironisch, lakonisch, amüsant und messerscharf zeichnet sie das Bild einer Generation, die sich nach dem Gewöhnlichen sehnt und doch so viel mehr als das Gewöhnliche will.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005

Große Sympathie für Silke Scheuermanns "Reiche Mädchen" spricht aus den Zeilen der Rezensentin Jenni Zylka. Vielleicht, weil Scheuermanns Protagonistinnen nicht so unbeschwert leben, wie der Titel anzudeuten scheint. "Sie machen alles falsch", zumal in puncto Liebe, verwickeln sich in würdelose Abhängigkeiten, in verzweiflungsträchtige Szenarien. Scheuermann "hält eine Lupe gnadenlos auf die Details und erwischt damit den wackeligen Gemütszustand der Frauen". Diese dem Selbsterhaltungstrieb sehr ferne Hingabe, die so manchen Leser dazu neigen lässt, diese Frauen kräftig "schütteln" zu wollen und ihnen ihre Würde und ihren Stolz ans Herz zu legen, wirft in den Augen der Rezensentin vielmehr die Frage auf, ob "nicht jedes Verliebtsein irgendwie würdelos" ist. Trotz ihres "schnörkellosen und amüsanten" Stils, ihres "harten und realistischen" Blickes verstehe es Scheuermann, ihren Figuren "das Mitgefühl einer großen Schwester, einer mütterlichen Freundin" entgegenzubringen. So genau ist Scheuermanns Beobachtung dieser Frauen, dass die Rezensentin in den Scheiternsszenarien ihrer Erzählungen fast "eine Art Eigentherapie" vermutet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2005

Schöner kann man vom Glück und all den anderen Illusionen des Lebens nicht schreiben, jubelt Rezensent Kolja Mensing. Besonders eine Erzählung dieses ersten Prosabands der Lyrikerin Silke Scheuermann macht den ganzen Band für ihn zum Ereignis. Die übrigen Erzählung handeln Mensing zufolge von langweiligen "Thirtysomethings", die um den eigenen Bauchnabel kreisen. Trotz erheblicher Qualitäten wäre die Sammlung für ihn nichts besonderes, wäre da nicht die Erzählung "Die Umgebung von Blitzen", in der Scheuermann den Mikrokosmos eines Rentners entfalte. Toll, wie dieser "vergreiste Werther" mit seiner in die Jahre gekommenen Lotte die Liebe erlebe. Das wollen die Dreißigjährigen auch noch lesen, wenn sie von sich selbst längst gelangweilt sind, denkt sich der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005

Schade schade, jammert Roman Luckscheiter, aber der erste Erzählband von Silke Scheuermann könne es leider mit ihren beiden Lyrikbüchern nicht aufnehmen. Zwar blitze auch hier die poetische Kraft und Intelligenz der Autorin hin und wieder auf, doch das allein könne den "offenkundigen Mangel an epischem Material" nicht wettmachen. Silke Scheuermanns sieben Prosatexte seien mehr oder weniger im Milieu der aufstrebenden Jungakademiker angesiedelt, berichtet Luckscheiter enttäuscht, und präsentierten überwiegend weibliche Erzählerinnen, die von ihrem desolaten Beziehungsleben erzählten. Ein "Universum glückloser, resignativer Frauen", stöhnt der Rezensent und spricht böse von einer "betulichen Kuschelmoral", die er irgendwo zwischen dem Spätwerk von Siegfried Lenz und der Zeitschrift "Brigitte" verorten würde. Immerhin verschaffen Scheuermanns sprachliche Raffinessen den Texten einen gewissen Reiz, der für Luckscheiter in Widerspruch zur Langeweile ihres Gegenstandes steht, und leider niemals eine ganze Erzählung tragen, weshalb diese dann häufig in "gespreizte Geschwätzigkeit" umkippen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2005

Silke Scheuermanns Erzählungen handeln von "blöden" Frauen, die sich in die "Arme eines Blödians" begeben, fasst Burkhard Müller trocken zusammen. Daraus ergebe sich zwangsläufig, dass von vornherein klar sei, wie es "weitergeht", und das findet der Rezensent ziemlich langweilig. Die Autorin bemüht sich zudem - wie bei dieser Art "Frau-zu-Frau-Prosa" typisch - allzu sehr um einen "originellen Ausdruck", der lediglich als "Phrase" erscheint, moniert Müller. Nur wenn die Erzählerinnen über die beste Freundin herziehen, kommt für den Rezensenten so etwas wie ein gelungener, "trockenerer" Ton zustande. Nachdem er insgesamt also ziemlich harsch über die Geschichten geurteilt hat, räumt er doch ein, dass zumindest die Erzählung "Die Umgebung von Blitzen" "ziemlich gut ist" und Interesse am Ausgang der Handlung weckt. Das reicht aber, wie er betont, nicht aus, um ihn mit diesem Band zu versöhnen.
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