Anarchie ist in Graubünden im 19. Jahrhundert an der Tagesordnung. Deserteure, Diebe und Bettler streifen plündernd durch die Berge. 1821 geschieht in der Mühle bei Bonaduz ein brutaler Mord. Der Verhörrichter Baron von Mont begibt sich mit zwei heimgekehrten Söldnern auf die Spur des Verbrechens. Die Detektivarbeit in den abgelegenen Tälern ist beschwerlich. Dennoch gelingt es von Mont, mehrere Verdächtige aufzuspüren und vor das Kriminalgericht in Chur zu bringen. Ein packender Schauerroman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2013
Der Fall, den Silvio Huonder in seinem Kriminalroman "Die Dunkelheit in den Bergen" beschreibt, ist tatsächlich 1821 in Bonaduz bei Chur passiert, weiß Sabine Doering. Ein Müller und zwei schwangere Mägde wurden im Gebirge ermordet und übel misshandelt gefunden, der verdächtigte Handwerker gestand und nahm sich das Leben, berichtet die Rezensentin. Nur die Rolle zweier Burschen aus dem Dorf blieb bis zuletzt unklar, irgendwie waren sie in die Sache verstrickt gewesen, man verurteilte sie zu lebenslanger Haft. Das Buch ist aber weder eine reine Chronik des Verbrechens noch der übliche Historienkrimi, versichert Doering. Stattdessen verspricht die Rezensentin ein "facettenreiches Sittengemälde" des Dorflebens im frühen neunzehnten Jahrhundert, komplexe Figuren und schöne kulturhistorische Details. Besonders hat es ihr der Baron und Verhörrichter Johann Heinrich von Mont angetan, der nachts von einem traumatischen Kindheitserlebnis verfolgt wird und tagsüber heimlich erotische Gemälde betrachtet, in der Öffentlichkeit aber mit Ingrimm für einen unnachgiebigen Polizeistaat streitet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2012
Laut Beatrice von Matt gelingt es dem Autor nicht immer, seinen historischen Stoff in Literatur zu verwandeln oder es gelingt, klingt für Matt aber allzu bemüht. Allerdings lässt die finstere Geschichte eines brutalen, kaum je geklärten Mehrfachmordes in der Mühle zu Bonaduz die Rezensentin auch nicht kalt. Dazu trägt die für Matt spürbare Faszination des Autor bei und seine Sicht, die die Rätselhaftigkeit des Geschehens, nicht die Tat selbst in den Vordergrund rückt. Bei aller lapidaren Nüchternheit, mit der Silvio Huonder den Stoff bearbeitet, sein Befund, wonach schwarze Magie nicht auszuschließen sei und die Figuren sich also selber fremd bleiben, erfüllt die Rezensentin mit leisem Schauder.
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