Ausführlich wie kaum ein anderes Ereignis in der mittelalterlichen Geschichte ist der Konflikt zwischen Heinrich II. von England und Thomas Becket dokumentiert. Die Arbeit untersucht die Erzählsituation der Autoren - nach dem Mord - und die erzähltheoretischen Konsequenzen dieser Schreib- und Erinnerungssituation. Die Becket-Geschichten, die wir heute kennen, werden rückwärts, auf den Mord hin, ausgerichtet und erzählt, Handelnde und Situationen gegebenenfalls rückprojiziert. Die Erzähler, auch die Augenzeugen, sind in hohem Maße auf ihre schriftlichen Vorlagen angewiesen, die sie dann in höchst individuelle Szenen und eigenen Erinnerungen, für den jeweiligen Erzählzeitpunkt nachjustiert, verwandeln.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2002
Martin Lhotzky hat diese Dissertation offenbar mit einigem Gewinn gelesen: Zwar geize das Buch mit biografischen Daten, der einzige inhaltliche Mangel, dafür entlarve es jedoch um so besser die "Schaffung eines Heiligen" Thomas Becket. Becket, Erzbischof von Canterbury, war auf Geheiß Heinrich II. von vier Rittern ermordet worden. Die Heiligsprechung fand schon drei Jahre später statt. Historiker, Dichter, Dramatiker und die Filmindustrie haben nun immer behauptet, Thomas habe gelebt wie er gestorben sei: vorbildlich. Jansen, lobt der Rezensent, hat als erste eine gut recherchierte Gegenthese aufgestellt: "Erst der Ermordete hatte ein beinahe makelloses Vorleben aufzuweisen, Geschichte wurde vom Endpunkt her (der Heiligensprechung) konstruiert, selbst von den Augenzeugen." Gefallen hat Martin Lhotzky auch der "erfrischende Ton" der Autorin - der allerdings gelegentlich etwas ins Saloppe rutsche. Gewünscht hätte er sich noch sorgfältigeres Layout und Lektorierung durch den Verlag.
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