Aus dem Islänidschen von Colatte Bürling. Ein Mann kommt nach langer Zeit im tiefsten Winter nach Reykjavik zurück und beobachtet eine Frau durch das Schlafzimmerfenster ihres Hauses: "Dafür war er um die halbe Welt gereist", denn siebzehn Jahre vorher hatte er sie dort zum letzten Mal gesehen. Nachdem sie das Licht gelöscht hat, legt er eine einzelne Rose auf den Bürgersteig vor ihrem Haus nieder, "damit sie sie am nächsten Morgen erfroren finden wird". Karl heißt der Mann und Una seine Jugendliebe. Jahre hat er in den USA verbracht, und nun ist er zurück, um noch einmal um sie zu werben. Doch heute ist es dafür zu spät, und so kehrt er in eine Kneipe ein, um sich aufzuwärmen, und landet im Haus einer anderen ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2012
Uwe Stolzmann ist entsetzt, wie viele Wunder ein Buch vertragen beziehungsweise eben nicht vertragen kann. Die ganze schöne Heimlichkeit, die er sonst von der Isländerin Steinunn Sigurdardottir kennt, ist dahin, und stattdessen gibt es nur Geheimnistuerei und eine fast vollkommen überraschungslose Sprache. Die Hauptfigur, ein großer Egomane mit Schlössern und Liebhaberinnen rund um den Globus, bleibt für ihn bloß Abziehbild. Schon dass der Kerl den Verlust der Mutter und der großen Kinderliebe zu kompensieren sucht, indem er, das Muttersöhnchen, Don Juan spielt! Stolzmann kann's nicht glauben. Ebensowenig wie die wundersame Geschichte, die sich sodann entspinnt, märchenhaft und zäh, findet er, eine Wundertüte mit Happy End und Buch im Buch etc. Wie über die Liebe sprechen? So lieber nicht, findet Stolzmann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.09.2011
Rezensentin Sabine Peters fragt sich wiederholt, ob die schöne, heile, Männer verherrlichende Welt in diesem Roman ernst oder ironisch gemeint ist. Im Mittelpunkt steht ein Frauenherzen brechender Geschäftsmann mit einem als notorische Fixierung auf seine Jugendliebe getarnten Ödipuskomplex, wie die Rezensentin informiert. Die Jugendliebe bekommt er schließlich, und die Psychologin Doreen, eine der zahllosen ehemaligen Affären und seither Vertraute des Protagonisten, räumt sich per Selbstmord praktischerweise selbst aus dem Weg. Tatsächlich kommt Peters zu der Auffassung, dass das alles nicht ernst gemeint sein kann. Allerdings ändert für sie auch eine ironische Lesart nichts daran, dass es sich hier um "Kitsch" handelt. Denn Ironie diene hier nicht der Kritik, sondern vielmehr als Hintertür, durch die Sigurdardottir ihre "opulente Darstellung" salonfähig machen wolle. Letztlich vergleicht Peters den Gestus des Buches mit dem einer "verständnisvollen Übermutter" und hält es nicht mal der Mühe für wert, sich über den Chauvinismus der Hauptfigur großartig aufzuregen.
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