Aus dem Isländischen von Kristof Magnusson. Nachtdämmern versammelt Gedichte Islands berühmtester Dichterin zum sterbenden Großgletscher Vatnajökull in Südostlisland, dem Gletscher von Steinunn Sigurdardóttirs Kindheit, der in unseren Tagen weltweit zum traurigen Symbol des Klimawandels geworden ist. Die Zeit, nicht mehr essentiell stürmt nicht mehr voran dass sich auf ihrer wehenden mähne das ewige blaue berglicht bricht.Sie humpelt jetzt kahlköpfig am hang im wachsenden schatten des berges im ewig dämmernden landein greis zwischen tag und nacht
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2022
Rezensentin Elke Heidenreich fühlt sich beim Lesen von Steinunn Sigurdardóttirs Gedichten erfrischt und befreit. Zwar geht es sehr viel um die drängenden, aktuellen Fragen, die der Klimawandel aufwirft und die sich durch schmelzende Gletscher in Sigurdardóttirs Heimat bemerkbar machen. Doch auch wenn die Wut darüber spürbar ist, sind die Texte keine politischen Statements oder Appelle. Das liegt aus Sicht der Rezensentin auch daran, dass sich die Wut der Autorin mit Trauer vermischt: "Und unser planet der wunder wird zum/ felsenriff. Wohin soll sich die menschheit dann retten?/ Zu den sternen? Welchen sternen?", zitiert sie. Die Dichterin beklagt den Verlust der Biosphäre, in der sie aufwuchs. Insgesamt hält die Rezensentin die Gedichte für kraftvoll, sanft, und "dramatisch aktuell".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2022
"Wasfür-länder werden wir so genannten Is-länder wenn der gletscher geht?", fragt die isländische Dichterin Steinunn Sigurdardottir in ihrem Abschiedslied auf den Vatnajökull. Eine Antwort bleibt sie dem Rezensenten Aldo Keel schuldig, dafür erfährt er umso mehr über die identitätsstiftende Kraft der "weißen Pracht". In den, wie er findet, eindringlichen Gedichten liest er zunächst von Sigurdardottirs Kindheitserinnerungen als der Gletscher noch Schutz versprach und Ewigkeit verhieß. Die Gegenwart sieht in Folge der Erderwärmung anders aus: "die aasvögel der welt fliegen freudig / über der abblätternden gletscherglatze", zitiert Keel. Hoffnung gibt es für Sigurdardottir keine, dystopisch blickt sie in die Zukunft: Städte werden untergehen. Schon als Warnruf empfiehlt der Kritiker den Band.
Rezensent Carsten Hueck ist berührt von Steinunn Sigurdadóttirs "lyrischem Abgesang" auf die Gletscher in ihrer Heimat Island. In einer eigenwilligen Form, so Hueck, verschränke die Autorin hier, teils autobiografisch, das Heranwachsen eines Kindes mit dem langsamen Schwinden der Gletscher. Während dem jungen Mädchen der Gletscher noch als ehrfurchterweckendes lebendiges Wesen erscheint, tritt mit dessen langsamem Rückgang und dem Eintritt ins Erwachsenenalter irgendwann die Erkenntnis der Vergänglichkeit ein; und wie Sigurdadóttir diesen Prozess betrauert, völlig ohne Schlagwörter wie Klimawandel oder Umweltzerstörung zu verwenden, ist schön und schmerzhaft für den Kritiker - eine "ganz stille, berührende Elegie", lobt er.
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