Mit einem Vorwort von Paul Lendvai. Als Viktor Orbán 2010 die Wahl in Ungarn gewann, sprach er von einer "Revolution an der Wahlurne". Seitdem hat der Rechtspopulist die Institutionen in Ungarn auf seine Machtbedürfnisse maßgeschneidert und will nun auch die EU umkrempeln.
In der Wählergunst ist der Ungar nach wie vor unumstritten - trotz Korruptionsskandalen rund um die Regierungspartei Fidesz. Was macht Orbán so erfolgreich ? Seine populistische Rhetorik ist ein Schlüssel seines Erfolges, meint Autor Stephan Ozsváth.
Er zeigt auf, wie meisterhaft der ungarische Ministerpräsident mit Ängsten spielt und daraus politisches Kapital schlägt. Er bedient sich dabei nationaler Mythen und Rollenbilder. Orbán setzt auf Symbole wie den Mythenvogel Turul, er okkupiert den Aufstand von 1956 und inszeniert sich als Anführer einer Nation von Freiheitskämpfern, die sich gegen ausländische Mächte zur Wehr setzt: Der David-Goliath-Mythos im magyarischen Gewand.
Rüdiger Rossig erfährt von dem Hungarologen und Südosteuropa-Korrespondent Stephan Ozsvath, wie Viktor Orbán zum Antiliberalen wurde und was sein Populismus für Ungarn wie für Europa bedeutet. Auf die Kenntnisse des Autors von Land und Leuten kann sich Rossig dabei verlassen. Wenn Ozsvath Oppositionelle befragt, aber auch seine Tanten, stramme Orban-Verehrerinnen, leuchtet Rossig manches ein. Etwa, wie die Agenda Orbans aussieht, was der Braindrain im Land bedeutet oder dass Ungarn "Einflussagent" Moskaus in der EU ist. Die Forderung des Autors, die Europäische Volkspartei sollte den Schmusekurs mit Orban rasch beenden, kann der Rezensent nach dieser Lektüre umso besser nachvollziehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.12.2017
Rezensent Norbert Mappes-Niediek erfährt aus dem Buch des früheren Wiener ARD-Korrespondenten Stefan Ozsvath nicht nur, wie ein Shitstorm funktioniert. Den Werkzeugkasten der Populisten a la Viktor Orban öffnet er weit, meint der Rezensent, und lässt erkennen, wie Angst, Ideologie und Pomp die Macht in Ungarn zementieren. Belege findet der Autor laut Rezensent nicht nur für Orbans frühere linksliberale Einstellung, er vermag auch ganz ohne Überhöhung und Mystifizierungen zu zeigen, wie die Fehler der EU dem Populisten in die Hände spielen. Ein bisschen mehr über das nationale Nervensystem, das Orban nutzt, hätte der Rezensent allerdings gerne erfahren, um zu ermessen, ob es sich tatsächlich um ein spezifisch ungarisches Phänomen handelt.
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