Susanne Stephan

Der Held und seine Heizung

Brennstoffe der Literatur
Cover: Der Held und seine Heizung
Matthes und Seitz, Berlin 2023
ISBN 9783751803595
Gebunden, 457 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Nicht nur in geologischen Schichten und in klimatischen Veränderungen haben sich Kohle, Öl und Erdgas bemerkbar gemacht. Auch in den Leben von Autorinnen und Autoren und ihren literarischen Figuren, in Gedichten, Dramen und Romanen schwelt es seit dem Übergang vom Holzzeitalter zum fossilenergetischen Zeitalter anders, brennen sich die fossilen Treibstoffe als Motiv und poetologische Triebkraft ein und werfen selbst am Kaminfeuer noch neuartige Schatten ins Erzählte wie in die politisch-soziale Geschichte - sei es bei Novalis, der als kursächsischer Beamter die Oberaufsicht über Braunkohlenbergwerke hatte, sei es bei Émile Zola, der in seinem berühmten Roman Germinal schildert, wie Kohle die Körper der Minenarbeiter durchdringt. Diesen "Leucht- und Aschespuren" folgt Susanne Stephan, auch mit Blick auf die im deutschsprachigen Raum erst noch zu entdeckenden Energy Humanities, in ihrem essayistischen Brennstoffbericht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2023

Der Mensch hat sich immer nach Wärme gesehnt, so gesehen war auch Heizen immer ein Thema, auch für Dichter, lernt Rezensent Wolfgang Schneider aus diesem "faszinierenden, aspektereichen" Buch von Susanne Stephan. Ohne Feuer keine Geschichten, wussten schon die Urvölker. Und selbst für den Adel war Frieren ein Thema, wie jeder weiß, der schon mal versucht hat, Vorder- und Rückseite gleichzeitig vor einem Kamin zu wärmen. Selbst der Kahlschlag in den Wäldern ist ein Thema für naturbewusste Autoren wie Goethe, Lichtenberg oder Fontane, liest der Kritiker. Hawthorne hasste den Ofen, der den Kamin verdrängte, Emerson liebte Kohle und Platonow hoffte auf Erdwärme - kurz, das Thema ist ein Füllhorn für interessante Anekdoten, versichert der hingerissene Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.06.2023

Der Heizungsstreit erhitzt nicht erst seit heute die Gemüter, lernt Rezensent Wolfgang Schneider in diesem, wie er findet "faszinierenden" Buch von Susanne Stephan. Die Schriftstellerin und Germanistin nimmt ihn mit auf einen Streifzug durch die Literaturgeschichte, verweilt in kalten Zimmern und an rauchenden Öfen in den Werken Prousts, beklagt mit Fontane das Verfeuern riesiger Waldbestände in Brandenburg oder träumt in einigen literarischen Utopien von mediterranem Klima im Norden. Auch Literaten, die beruflich mit Energiefragen beschäftigt waren, nimmt Stephan in den Blick: Novalis war studierter Bergbaufachmann, Wolfgang Hilbig Heizer, erfährt Schneider. Nicht zuletzt verdankt er diesem Buch auch interessante Einblicke in weniger bekannte Werke.

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