Szilard Borbely

Berlin Hamlet

Gedichte
Cover: Berlin Hamlet
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518225110
Gebunden, 201 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Heike Flemming. Szilárd Borbély, der vor einigen Jahren mit seinem Roman "Die Mittellosen" international Aufsehen erregte, gilt als der bedeutendste ungarische Lyriker seit 1989. Erstmals liegen nun zwei Gedichtzyklen auf Deutsch vor: Zustandsbeschreibungen eines wahrnehmungssensiblen Ich, das in ruhigem Parlando über sich und seine Umgebung reflektiert (Berlin-Hamlet), und ein formstrenges Brevier von Trauergedichten, die auf ein ungesühntes Verbrechen eine Antwort suchen (Leichenpomp). Ein mitteleuropäischer Flaneur streift durch das aufgerissene, im Umbruch begriffene Berlin der neunziger Jahre, sein Blick folgt dem Flugzeug über der Hermannstraße im Landeanflug auf Tempelhof, verirrt sich im Gewirr bunter Rohrleitungen über den Ausschachtungen, im Wald der Kräne am Potsdamer Platz.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.02.2020

Rezensentin Marie Luise Knott feiert die Gedichte von Szilard Borbely, ihre sprachliche Intensität und Unerschrockenheit angesichts der Gegenwart und der Vergangenheit. Wie der Autor die Sprache befreit und kondensiert aufs "Nichtvorhandene", findet Knott faszinierend. Ob der Autor durch Berlin wandert, wie im ersten Teil des Bandes, und eine poetische Collage verfasst, die Kafka, Benjamin, Gründgens und Wandparolen kreuzt, oder ob er die Ermordung seiner Mutter und den folgenden Prozess behandelt und sich dabei "subversiv" mit der Scham konfrontiert - Borbely ist "epochemachend", findet Knott, zumal in Heike Flämings Übersetzung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2020

Rezensent Nico Bleutge liest die zweisprachige, von Heike Flemming laut Rezensent gekonnt übertragene Gedichtauswahl mit Texten von Szilard Borbély mit großer Befriedigung. Wie der Autor in seinen Texten Strukturen von Gewalt nachgeht, lassen die Gedichte ihn nachvollziehen. So, wenn Borbély durch Berlin wandert und hinter der Fassade einer neuen Zeit die alte ankratzt, indem er Hamlet, Benjamin, Kafka zu Wort kommen lässt. Oder wenn er die Ermordung seiner Eltern mit Gedanken über die Ewigkeit kurzschließt. Intensiv erscheinen die Texte Bleutge durch ihre Anleihen bei Volksliedern, Sequenz, Mystikertexten und Hymne. Ein Prosatext im Band, der den Überfall auf die Eltern rekapituliert, verstört den Rezensenten und liefert ihm zugleich einen Einblick in Borbélys Verständnis von Literatur.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.12.2019

Herbert Wiesner liest die in diesem Band versammelten Gedichte von Szilárd Borbély als Entdeckung. Mit Borbély bekommt der Leser laut Wiesner einerseits einen kenntnisreich zitierenden und collagierenden Führer durch das Berlin Kafkas und Benjamins, aber auch der Wannseekonferenz, andererseits enthält der Band mit Borbélys Aufarbeitung des brutalen Raubmords an seinen Eltern im Jahr 2000 und des folgenden Prozesses gegen die Täter auch einen eher "sperrigen" Teil über Leid und Hass unter den Menschen.

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