Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2001
"Selten ist die Literatur so nah an der Armut", schreibt Stefan Weidner über Tarek Eltayebs Roman "Städte ohne Dattelpalmen". Für ihn variiert der in Wien lebende 41jährige sudanesische Autor ein klassisches Thema der arabischen Literatur: die Nordwanderung. Diesmal sei es kein Intellektueller, der mit der westlichen Zivilisation konfrontiert werde, sondern ein "Bauer auf der Suche nach Brot", auf der Suche nach Arbeit, was den Helden, immer illegal, erst durch die nordarabischen und später durch die westeuropäischen Länder treibt. Eine traurige Saga, laut Weidner ebenso kunstvoll wie schlicht erzählt, die mit der Rückkehr des Helden endet - keine glückliche Heimkehr: seine Familie, der er Geld geschickt hat, ist tot. Für Weidner ist Eltayebs unromantische und unfaustische Version der Nordwanderung ein Beispiel dafür, wie sehr die soziale Wirklichkeit einen literarischen Stoff einholen bzw. im wahrsten Sinne des Wortes "verschlingen" kann.
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