Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst einer ungezügelten Zunahme von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen. Vorfälle wie der Amoklauf von Erfurt 2002 oder von Emsdetten 2006 scheinen diese Annahme zu bestätigen. Verantwortlich gemacht werden in erster Linie brutale Computerspiele und Gewaltfilme. Dem widerspricht Thomas Hartmann energisch. Nicht die Kinder und Jugendlichen sind das Problem, sondern wir. Anstatt sich mit der eigenen Gewaltbereitschaft auseinanderzusetzen, wird jegliche Gewalt tabuisiert - letzte, aber folgenschwere Relikte aus der Friedenspädagogik der Siebziger- und Achtzigerjahre. Kinder brauchen aber spielerische Gewalt und das Ausleben ihrer Aggressionen.
Dieses Buch wird der Auffassung von Rezensent Dorion Weickmann zufolge seinem Thema nicht gerecht und verstört zudem durch "ebenso bedrückende wie naive Simplifizierungen". Zwar verrate es einigen Verdruss seines Autors über friedensbewegte Kollegen und Kindergartentanten samt deren reflexionsfreiem Verdammen von Plastikpistolen. Wenig jedoch tragen die Überlegungen des Autors und evangelischen Pfarrers aus Sicht des Rezensenten zu einer "tragfähigen Einschätzung der heutigen Mediensozialisation" bei. Grundsätzlich kranke die Argumentation Thomas Hartmanns daran, dass er Unterschiede wie zwischen Gewaltdarstellungen in der Bibel und in den virtuellen Sphären der Technik völlig verwische und insgesamt auch kaum Vorteile der "Knallerei" geltend machen könne. Vieles habe Hartmann zudem bei oberflächlichen Trendforschern einfach abgeschrieben.
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