In Nahaufnahmen ganz unterschiedlicher Jugendszenen erkunden die Autoren den Kollektivcharakter vieler Straftaten und untersuchen in Reportagen aus Südafrika, Chicago, Japan und Australien andere Formen des Umgangs mit Gewalt. Ein Buch, das Wege aus der Sackgasse einer heillos polarisierten Diskussion über Jugendkriminalität weisen will.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.11.1999
"Ein Buch gegen die Hysterie", lobt Heribert Prantl. Manche Vorurteile würden durch die Autoren widerlegt - zum Beispiel, dass die Jugendgewalt von randständigen Gruppen ausgehe. Die Autoren stellten richtig, so Prantl, dass gerade viele rechtsextreme Gewalttäter aus der Mitte der Gesellschaft kämen. Auch die Begriffe Chaos und Anarchie seien nicht geeignet, um die Gruppen - fast durchweg männlicher - Gewalttäter zu beschreiben, vielmehr herrsche hier ein festes Wertgefüge, das sich an das der Erwachsenenwelt anlehne. "Ermutigend" findet Prantl das Buch, weil es auch Auswege weise.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.10.1999
In seiner sehr umfangreichen Rezension lobt Bodo Morshäuser den Ansatz Findeisens und Kerstens, mit dem Klischee der Orientierungslosigkeit und Werteverwirrung bei gewalttätigen Jugendlichen aufzuräumen, um den Blick auf bisher vernachlässigte Motive zu lenken. So seien die Verhaltensweisen dieser Jugendlichen meist Spiegel- oder Gegenbilder der Gesellschaft: Junge Russen- und Türkencliquen strebten durchaus kleinbürgerliche Werte und Statussymbole wie Autos oder Handys an. Von pauschaler Orientierungslosigkeit könne daher keine Rede sein. Wie sich die von den Autoren ebenfalls erwähnten Fixer von St. Georg, die ihrer Ansicht nach ein Spiegelbild der körpergestylten Hamburger Gesellschaft darstellen, in diese Wertetheorien einfügen, erklärt Morshäuser allerdings nicht. Dafür lobt er ausdrücklich, dass die Autoren Alternativen zum Verwahrvollzug vorstellen, die in anderen Ländern teilweise mit Erfolg praktiziert werden.
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